Panzerkasern Quarmbeck bei Quedlinburg

Wenn ich in Quedlinburg aus dem Stubenfenster sah, hab ich stets die zum Güterbahnhof fahrenden T34 vorbeirattern gesehen.
Als gebürtiger Quedlinburger kam im Sommer 1972, nun schon 28-jährig und inzwischen 5 Jahre mit Sharon verheiratet, Karlo aus Calgary, Kanada. Wir sahen uns nun nach 17 langen Jahren erstmals wieder.
Die Beiden hatten eine strenge argwöhnische Grenzkontrolle in Marienborn hinter sich.
Nach all der für sie ungewohnten Aufregung, der psychischen Belastung durch ihre Grenzüberquerung mit scharfer penibler DDR-Einreisekontrolle, mit Spiegelkontrolle unter dem von seinem Cousin Erhard geborgten “Renault R 4”, und einigen um sie schleichenden, scharfen schnüffelnden Hunden, hofften sie jetzt auf eine ruhige friedvolle Nacht …
Doch weit gefehlt, schon in ihrer ersten DDR-Nacht wurden sie jäh aus dem Schlaf gerissen!
“Die Russen kommen! Panzer-Panzer-Panzer!” – und das alles nachts halb zwei! Die beiden Kanadier hatten noch nie einen echten uniformierten Russen, geschweige denn einen Panzer T34 gesehen. Das konnten sie nun erstmals im Leben, sogar aus der ersten Reihe, direkt aus unserem Wohnzimmerfenster, einem Logenplatz! In dem Punkt hatte ich ihnen was voraus! Dann das ewige, bedrohliche Rattern der Panzerketten, in der sonst absolut stillen Sommernacht, über das holprige Kopfsteinpflaster.
Beide waren kreidebleich und einem Infarkt nahe! Sie glaubten, der 3. Weltkrieg hätte soeben begonnen und sie stünden nun auf der falschen Seite.

aus https://mein-ddr-leben.de/43.html
 
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