AW: FLiEGERREVUE extra Nr. 27
Martin,
zum ersten Mal beziehst Du Position. Interessant. Den RL für seine Meinung zu verdreschen ist fehl am Platz.
1.
eine Frage wird ja noch gestattet sein,
2.
Das Prinzip heisst ganz eindeutig, ehe ein Nachwuchsautor, die Arbeit derer, die damit über 30 Jahre ob in West oder Ost, professionell zu tun hatten, (und ich meine hier nicht mich), nicht mal ansatzweise bewerten kann, sollte man mit solchen kindlichen Einstufungen in jeglichen Zeitschriften zurückhaltend sein, denn im Gegensatz zu Herrn Büttner haben diese Leute im Interesse ihres Landes ziemlich umfassend u. professionell den potentiellen Gegner beurteilt, manche über 40 Jahre. Komischerweise gestehst Du dem Fachmann Dinge zu, die Du anderen nicht zugestehst. Wenn Du die (National Intelligence Estimates u. andere) aufmerksam liest, wirst Du etliche zu der Problematik finden. Allerdings war der Kernwaffeneinsatz immer auch ein politisch und militärdoktrinär unterlegtes Problem, welches sich nicht annähernd mit dem Zählen von Halteschienchen u. Schalterchen erklären ließ. Wenn die die sehr konkreten Aussagen von M Malinowski zu eben jenem Problem (in Russich oder Deutsch) gegenüber den Oberbefehlshabern und Befehlshabern der Armeen auch nur mal gelesen hättest, wüsstest Du um die Denke zu dem Problem und dass eben NICHT jeder kleine Anfall mit einem Masseneinsatz von taktischen KW beantwortet werden konnte und wäre. Weder vom Westen, weil sie die Ablehnung der Flexible Response seitens der UdSSR kannten, noch von der UdSSR weil eben das Konzept der massiven Vergeltung im Raume stand. Stellt sich nur dre Frage wer ist eigentlich Malinowski? Hatte der überhaupt Durchblick? Ich denke schon. Leider reicht Dir anscheinend der andere Autor. UND das ist eben der ganz einscheidende Grund, warum es bisher keine Vernetzung wie immer so schön angeregt, gegeben hat. Ich bin mal so hoch überarrogant zu behaupten, dass man sich mit Leuten, die den Kernwaffeneinsatz der breiten Masse, als Zwischending zwischen LPG Einsatz, Kremserfahrt und Knöpfendrücken erklären wollen, nicht an einen Tisch setzen kann oder würdest Du einen Schüler der voller Freude feststellt, dass er Zählstäbchen nicht mehr braucht, und in sein Hausaufgabenheft schreibt: Jetzt zeige ich es allen!, ernstnehmen?
3.
Die Konzeptionen im Verlaufe der Jahre waren sehr komplex. Daher waren diese Fachleute meist Analysten der verschiedensten Fachbereiche, bis hin zu Wisschenschaftlern. Ich zumindest würde mir für den größten Teil derer die mit solchen Fragen zu tun hatten, nicht anmaßen, denen falsche Konzeptarbeit zu unterstellen. Wenn ich mich Recht erinnere, war der Einsatz unter vielen anderen Bedingungen mit bestimmten Eskalationsstufen verknüpft. Haste mal was dazu vom Fachautor gehört? Schon aus diesem Grund glaube ich zumindest diesem Personenkreis erheblich mehr zu als das der Bahnhofsheftefreund vielleicht tut.
3.
Nun war es vermutlich wieder an der Zeit, es denen zu zeigen, denn zählen konnten sie anscheinend nicht. Du gibst vor, den Artikel nicht zu kennen, weist aber, dass andere nicht Recht haben können. Warum? Ich kenne natürlich eine Antwort aber das tut hier nichts zur Sache.
4.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Artikel bei einigen Diensten Aktivität auslöst, nach dem Motto:
"Waren unsere Analysen von damals falsch"?
"Waren wir tatsächlich so blind das nicht zu erkennen"?
Diese Frage zu bejahen, ist nicht nur in höchstem Maße dumm, sondern auch frech, aber wie die Paraxis zeigt, scheuen einige davor in ihren Veröffentlichungen nicht zurück.
5.
Einige Abteilungsleiter werden sich auch fragen,
"Warum haben wir unseren Doktoren vertraut, wenn es doch so einfach war?", Mensch hätte ich doch auch so einen Tüchtigen gehabt, dann hätte man die ganze VA einsparen können...
6.
Danach wird je nach Ergebnis die Frage im Raume stehen:
"Wer sind die Autoren?"
"Woher ziehen sie ihre Detailinfos?"
"Wie ist ihr fachlicher Background".
Hier geht es nicht um ÄTSCH,, hier geht es um Stil.
Stil wäre gewesen:
a) der Sachstand.
b) folgende Informationen lagen dazu vor und zwar von dem und dem,
b1) wie ist die neue Informationslage, was unterscheidet sie zu früher?
c) das Autorenteam geht aber nach neusten Erkenntnissen von dem und dem aus,
d) Bezugsbasis der Vermutung.
e) fachlich sauberer Umgang mit dem Problem
f) Ergebnisse.
Da Du Dich ja schon auf eine Seite geschlagen hast, wird Dich das Ergebnis sicher nicht so interessieren, wie zum Beispiel die Analyse zum letzten Bläher Artikel. Was hat denn die sowjetische Militärführung ganz konkret zum Kernwaffeneinsatz und seinen politischen Optionen gesagt? War da nicht etwas mehr an Beweggründen zum Nicheinsatz? Wenn man da tiefer einsteigt findet man durchaus die Essentials die erklären, dass man eben nicht mit jeder Menge Bomben in Europa rumwerfen konnte oder zweistellige Anzahlen von Städten auslöschen wollte.
Wo sind die Beweise die man von anderen stehts gern und überall fordert?
7.
Dass die Arbeiten anderer, (vielleich einem anderen Verkündungsstil zuzumessender) historisch interessierter Personen verloren ist, glaube ich eher nicht, es muss ja nun nicht immer die NB sein. Sammlungen nehmen ja auch andere Fachanstalten gern entgegen.
GRüsse Hermann