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Thema: Leipzig: Kernkraftwerk Süd

  1. #1
    Administrator Avatar von Martin K.
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    Leipzig: Kernkraftwerk Süd

    In dem Beitrag zur Energiewirtschaft der DDR wurde kurz das Kraftwerk Süd bei Leipzig (bei Dahlen-Börln) erwähnt.

    Hat jemand zufällig Pläne/Schnitte/Skizzen von dem Kraftwerk gesehen?

    Im Netz fand ich nur noch eine Angabe zur Leistung:

    Reaktortyp: WWER-1000
    Leistung: 1000 MW Bruttoleistung bzw. 950 MW Nettoleistung

    Aufbau & HIntergründe zum WWER-1000 findet man hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/WWER

    BG
    Martin

  2. #2
    Moderator Avatar von Frank K.
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    Martin,
    du bist doch erstmal der, der dort Leipzig ins Gespräch gebracht hat In Dahlen-Börln erkenne ich nirgendwo ein dafür notwendiges Fliessgewässer (zum Wegspülen der Atome).

    Dann sollte man konkret nochmal bei Mister Schneesturm - CB nachfragen.

    Grüße Frank

  3. #3
    Administrator Avatar von Martin K.
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    Wer hat denn in der DDR solche Anlagen projektieren lassen? Das MfKE?

    BG
    Martin

  4. #4
    Moderator Avatar von Frank K.
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    VEB AKW Atomkraftwerke später (wann und ob ?) wohl in
    VEB KKW Kernkraftwerke umbenannt und das
    ZfK Rossendorf.

    AKW » Planung und Inbetriebsetzung, Kampagnenberechnungen.
    ZfK » vorwiegend für Inbetriebsetzungsuntersuchungen, Kampagnenlängen (Dauer zwischen Brennelementewechsel), Umladeschemata etc.

    MfKE = ?

    Grüße Frank

  5. #5
    Administrator Avatar von Martin K.
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    Zitat Zitat von djidwka Beitrag anzeigen
    MfKE = ?
    = Ministerium für Kohle und Energie

    BG
    Martin

  6. #6
    Moderator Avatar von Frank K.
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    Mich hat nunmehr umfangreiches Material zur Kernenergiepolitik in der DDR via ehemaliger Kollegen erreicht. Insgesamt über 200 Seiten, sehr kompakt und interessant. Ich schaffe es aus Zeitgründen die nächsten Tage nicht mich intensiver damit zu befassen, hiermit eine Kurzfassung zur Fragestellung in #1:

    In den fünfziger Jahren hatte man in der DDR noch weitreichende Pläne, prognostiziert war bis zum Jahre 1985 eine nukleare Kraftwerksleistung von über 20.000 MW, ab 1965 sollte im großen Stil mit dem Bau von KKWs begonnen werden.

    Im VEB Kernkraftwerk wurde 1967 die Prognose aufgestellt, in der DDR werde man ab 1980 pro Jahr ein KKW mit einer Kapazität von 1000 MW in Betrieb nehmen.

    Auf einer energiewirtschaftlichen Konferenz 1976 äußerte man noch die Erwartung, die Ausbauarbeiten am KKW Nord ließen sich nach 1980 abschließen; dann könnten die 1000-MW-Blöcke im KKW Stendal fertiggestellt und die Entwicklung von Brutreaktoren in Angriff genommen werden.

    In den Jahren ab ca. 1975 stagnierte die gesamte Entwicklung, die Prognostizierten Ziele wurden immer weiter hinausgeschoben.

    Dies hing fachlich u.a. zusammen mit » das die DDR einen Eigenanteil an der Entwicklung von Reaktoren hatte, dass zur Know-How-Gewinnung für spätere Großeinheiten die Erfahrungen in Rheinsberg und der ersten beiden Blöcke in Lubmin genutzt werden sollten, dass es dabei zu gravierenden Abweichungen von den geplanten Parametern kam, dass die DDR langwierig Modelle dafür entwickelte und der Lösung nahekam, dass die UdSSR dies alles brüsk von sich wies, dass die Sicherheitaspekte von der DDR sehr ernst genommen wurden (im Gegernsatz zur offiziellen Politik, da gabe es keine, alles war sicher), dass die SIEMENS KWU im Raum Kaliningrad / Memel mehrere KKWs installieren wollte und dafür für die Mitarbeit von DDR-Spezialisten warb, dass dies der Staatsführung der DDR und erst Recht der UdSSR nicht in den Kram passte, dass es in einer im Wolga-Don-Gebiet errichteten Fabrik für die Serienfertigung von WWER-440-Reaktoren zu Pannen kam, irgendwann dann auch noch Tschernobyl passierte, und und und.

    Dies führte neben den ökonomischen Problemen zu einer Umbewertung des Massenhaften Einsatzes der Kernenergie innerhalb der DDR. So kann es dann durchaus sein, dass der IAEA frühzeitig weitere Projekte gemeldet wurden, die dann aber nicht mehr in die Planungsphase gingen. So könnte es zu dem ominösen KKW Süd gekommen sein. Siehe folgende Tabelle

    Kernkraftwerke in der DDR
    Reaktor Typ Leistung Baubeginn Netzanschluß kommerzielle Nutzung
    (1) DWR 70 MW Jan. 1960 Mai 1966 Oktober 1966
    (2) DWR 440 MW März 1970 Dez. 1973 Juli 1974
    (3) DWR 440 MW März 1970 Dez. 1974 April 1975
    (4) DWR 440 MW Okt. 1972 Nov. 1977 Mai 1976
    (5) DWR 440 MW Okt. 1972 Aug. 1979 November 1979
    im Bau
    (6 - 9) DWR a 440 MW keine sonstigen Angaben
    (10-11) DWR? a 970 MW keine sonstigen Angaben

    (1) : KKW Rheinsberg
    (2-5) : Reaktorblock I - IV im KKW Bruno Leuschner
    (6-9) : Reaktorblock V-VIII im KKW Bruno Leuschner
    (10,11) : Reaktorblockl.il im KKW Stendal
    Quelle: IAEA 1985, IAEA-Bulletin No. 2, Summer 1986

    Verschiedene Textpassagen beziehen sich darauf, dass der geplante Installationsort für 10 & 11 noch nicht angegeben war.

    Wenn KKW im Süden um Leipzig geplant waren, kamen dafür m.E. nur Standorte an der Elbe und der Saale in betracht. Selbst die 'Schwarze Elster' wird dafür nicht ausgereicht haben.

    Grüße Frank

    PS: Quellen ISBN 3-8046-8713-X & Material der Leibnitz-Gemeinschaft

  7. #7
    Erfahrener Benutzer Avatar von burk
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    Hallo,
    ich habe mal von jemandem Gehört, dß es noch keine genauen Planungen für ein Kraftwerk bei Leipzig gab, auch keine Arbeitsgruppe, die sich damit beschäftigt hat, somit das ganze noch nicht mal richtig auf Papier existierte.

    Grüße

    Burk

  8. #8
    Moderator Avatar von Frank K.
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    Habe jetzt auch direkte Hinweise auf so etwas gefunden. Man könnte dem in Archiven weiter nachgehen »

    Bis zum Jahr 2000 entsprechend einer Studie aus dem Jahr 1984 sollte Kohle in den Ballungsräumen Halle und Leipzig in Größenordnungen durch Kernheizwerke ersetzt werden »

    Kernheizwerk (KHW) Leuna, Buna, Lippendorf ab 1995;
    ab 2000 das KKW Delitzsch.

    zu KHW siehe » http://de.wikipedia.org/wiki/Kernheizwerk_Woronesch

    Grüße Frank

  9. #9
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    Hallo an alle,

    alle bisher befragten Zeitzeugen des KKW Stendal (KKW III) haben von einem Kernheizwerk nichts gehört. Auch um das KKW IV (Dahlen) gibt es keine Kenntnisse.

    - lt. DDR Atomgesetz ist ein Mindestabstand von KKW und KHW zu Städten einzuhalten (im Ballungsraum Halle Leipzig unwahrscheinlich)
    - wo soll das Wasser zum Ausgleich der Kühlwasserverluste herkommen???

    - Projektierung KKAB (GAN)


    mfg ralph

  10. #10
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    Hallo,
    ich habe bis zur Wende in der Kohle gearbeitet.
    Mir ist nichts bekannt das im Großraum Leipzig ein KKW oder ein KHW gebaut werden sollte.
    Was uns immer gesagt wurde ist das die Kohle in und um Leipzig noch 300 Jahre reicht.
    Wen die Wende nicht gewesen wäre würden die Kohlebagger an der Rennbahn stehen.
    Was mir bekannt ist, Es sollten 2 KKW (Kohlekraftwerke) gebaut werden. Sie sollten die 2 Kraftwerke in der Stadt ersetzen.

    bernd

    PS. KHW kann aber auch - Kohleheizwerk- bedeuten

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