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Thema: Wulkow: Heeresmunitionsanstalt Neuruppin / Wulkow

  1. #1
    Erfahrener Benutzer Avatar von henning_m175
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    Wulkow: Heeresmunitionsanstalt Neuruppin / Wulkow

    Sie war ja eigentlich schon länger geplant, konnte aber wegen den jetzt fast abgeschlossenen Baumfällerarbeiten, schlechtem Wetter und Personen auf dem Gelände nicht eher durchgeführt werden. Außerdem mussten mein ortskundiger Guide (und ich) genügend Zeit haben und mitbringen, um das für meine Begriffe riesige (und immer noch als unübersichtlich empfundene) Muna – Gelände „grob“ zu dokumentieren. Das Areal ist umlaufend von einem Stacheldrahtzaun gesichert, Tore und Zufahrten sind verschlossen, relativ frische Reifenspuren auf den unglaublich vielen Waldwegen sowie die extrem hohe Dichte an Jägerhochsitzen / -ständen weisen auf Bejagung des Objektes hin. Löcher in dem umlaufenden Stacheldrahtzaun, verursacht durch eindringendes Wild oder Neugierige, werden zügig mit neuem Stacheldraht geflickt. Die wenigen, aber eben vorhandenen Warnschilder (Lebensgefahr, Explosivstoffverseucht [auf der Google-Earth-Begehungsskizze mit „Blindgänger“ markiert]) weisen auf den Bund bzw. das Land BRB als Eigentümer hin. Mein Guide, der übrigens schon als Kind mit Freunden auf dem vom sowjetischen Militär verlassenen Gelände Fahrrad gefahren ist, erkannte Vieles nur noch durch die Lage relativ zum Tholmannsee – so zugewachsen und der Natur überlassen ist dort inzwischen alles. Die Google-Earth-Aufnahme half deshalb auch nur bedingt weiter, ermöglichte allenfalls eine annähernde Orientierung. Obwohl wir ohne Spezialausrüstung (wie GPS, Karten; Navi etc.) unterwegs waren, gab es während der Begehung immer auch markante Punkte (z.B. alle unter 2.ff fotografierten Lagerbunker, die – schon stark zugewachsene Lichtung bei Punkt 9 + Halle, die bei 9.2. vorgefundene – kurz vorher mit Gülle gedüngte Lichtung, die Hallen [9.3.], Wegkreuzungen [10], die bei Punkt 13 vorgefundene Wirtschaftszone [wahrscheinlich für KfZ], der ca. 20 Meter hohe Schornstein [14!] …). Vielleicht noch ein grundsätzlicher Hinweis: die gesamte Muna ist übersät mit Hochständen, nahezu an jeder Weggabelung, häufig auch mitten auf dem Weg, quasi um zu verhindern, dass den Jägern auch nur ein Tier durch die Lappen geht, befinden sich diese Elemente „totaler Überwachung“. So eine Dichte an Hochständen (größtenteils hochwertig ausgeführte Bauweise) hab ich noch nicht gesehen, wir hörten irgendwann auf mit zählen!!! Während der Morgen- und Abenddämmerung bloß nicht betreten.

  2. #2
    Erfahrener Benutzer Avatar von henning_m175
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    AW: MUNA – WULKOW (2008 – Ein ZUSTANDSBERICHT)

    1.) - Mehrstufige Kläranlage, eventuell mit Brunnenhaus oder auch nur mit Pumpstation:

    Wir zäumten also das „Muna“ - Pferd sozusagen von hinten und entgegen dem Uhrzeigersinn laufend auf; betraten das Areal problemlos - da schwierig am Ufer zu sichern - bei der mehrstufigen Kläranlage direkt am Tholmannsee. Direkt daneben befindet anscheinend ein Brunnenhaus, das macht meiner Meinung nach zwar keinen Sinn, einen Brunnen für Trink- oder Brauchwasser direkt neben eine Abwasseraufbereitung zu bauen – aber wer weis, vielleicht war es ja doch eine sinnvolle Anordnung (?). Entlang des Seeufers und dem Satellitenbild nach zu urteilen sogar umlaufend um die gesamte Anlage, befand sich laut Aussagen meines ortskundigen Begleiters eine Hundelaufanlage. Die Sowjets, so sagte er, haben während des Abzugs die Schäferhunde einfach zurückgelassen, Jäger mussten sich dann um die verwilderten Tiere kümmern. Durch das eingangs erwähnte Zuwachsen der Anlage ist die Hundelaufanlage nicht mehr erkennbar.

  3. #3
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    AW: MUNA – WULKOW (2008 – Ein ZUSTANDSBERICHT)

    (2.) – Lagerhaus nahe dem Tholmannsee (Außen und Innen):

    In Sichtweite der Wasseraufbereitung befindet sich der erste von (höchstwahrscheinlich) 4 (mind. 3) in Linie und ehemals mit Gleisen verbundenen Munitions- oder Rohstofflagerhäusern. Die Häuser bestehen aus 2 Geschossen, die mit Aufzug verbunden waren + Kellergeschoss. Diese Lager befinden sich meines Erachtens in einem außergewöhnlich guten Erhaltungszustand.

  4. #4
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    AW: MUNA – WULKOW (2008 – Ein ZUSTANDSBERICHT)

    (2.1.) – Lagerhaus nahe dem Tholmannsee (Auf dem Dach):

    Wir konnten, da im ersten Lagerhaus am Tholmannsee keine vergitterte Sicherung des Obergeschosses existierte, auf das geteerte Betondach über innen liegende Armierungsleiter klettern. Schöne Aussicht hat man von da oben, leider störten die relativ hohen Laubbäume in Ufernähe den uneingeschränkten Blick auf den See. Inzwischen sind aber auch Nadelgehölze auf dem Betondach sesshaft geworden. Bevor wir wieder runterkletterten, fiel ein weiteres Detail auf: die eigenartigen, antennenähnlichen Gebilde. Diese überdimensionalen Blitzableiter stehen, soviel ist sicher, neben jedem Gebäude und jedem Bunker auf der Muna. Übrigens wurde die Muna Wulkow nicht vom sowjetischen Militär, sondern irgendwann vor oder während des 2. Weltkrieges von Deutschen erbaut. Wann genau, werde ich wohl noch rausfinden. Durch diese, den Deutschen immer wieder nachgesagte Gründlichkeit (in der architektonischen Planung versteht sich) ist der Muna Wulkow ein Explosionsinferno, wie in Dannenwalde geschehen (MDR-Doku), möglicherweise erspart geblieben.

  5. #5
    Erfahrener Benutzer Avatar von henning_m175
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    AW: MUNA – WULKOW (2008 – Ein ZUSTANDSBERICHT)

    (2.2.) – Lagerhaus nahe dem Tholmannsee (Kellergeschoß bzw. Fundament):

    Ich denke, die Fotos sprechen für sich: beeindruckende Solidität. Auf den Außenfotos ist gut der Lager- oder wenn man so will, auch der Bahnhofcharakter zu erkennen. Gleise gibt es nicht mehr, um Eisenbahnschwellen zu erkennen muß man sich schon fast Mühe geben.

  6. #6
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    AW: MUNA – WULKOW (2008 – Ein ZUSTANDSBERICHT)

    (3.) – Lagerhalle oder Mannschaftsbaracke:

    Wir überquerten das Gleisbett und die Straße, bewegten uns dann parallel durch Gebüsch, Unterholz sowie einem Erdwall und gelangten zu einer eingeschossigen Lagerhalle oder Mannschaftsbaracke (Funktion unklar). Nebenan bzw. in der Nähe des Hauses befindet sich (hier noch gut erhalten und noch nicht eingestürzt) eine, ich vermute mal, Löschwasserzisterne. Die Einfassung besteht aus Betonfertigteilen, von hinten betrachtet, sind Eisenbahnschienen zur Stabilisierung der Abdeckung gut erkennbar. Neben jedem weiteren Bunker bzw. meist auf der dem Bunker gegenüberliegenden Seite des Wegs befinden sich solche – fast immer eingestürzten – Wasservorratsbecken. Bei den stabileren Bunkern die sich in der, von einer noch gut erkennbaren Betonmauer nochmals umzäunten „Sonderzone“ (unter Punkt 12 näher beschrieben) befinden, gibt es statt dieser Betonbecken pro Bunker zwei eingegrabene Stahlbehälter.

  7. #7
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    AW: MUNA – WULKOW (2008 – Ein ZUSTANDSBERICHT)

    (4.) – Weitere Hallen, mit Gleisanschluss, mit Verlade- und Lagercharakter:

    Um zu den hier zusammengefassten Objekten zu gelangen, bewegten wir uns erneut parallel zum Ufer des Tholmannsees, natürlich durch Unterholz etc. Mehr als einen Verlade- und Lagercharakter, Gleisbett liegt ja wieder in direkter Nähe, ist nicht ableitbar. Dies war dann der 2. Schienenstrang, den wir überquert hatten und der i. R. See führte. Hinter den Gebäuden, erneut ein Erdwall, diesmal mit betoniertem Durchgang. Theoretisch hätte oben drüber auch noch ein Versorgungsstrang führen können, haben wir aber nicht nachgeschaut. Wir durchquerten wieder Unterholz, sichteten einen Hydranten, gelangten dann zu einem zentraleren, da breiteren Versorgungsweg auf der Muna, am Weg lief wieder ein Gleisbett entlang. Marschrichtung: immer noch parallel zum Ufer.

  8. #8
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    AW: MUNA – WULKOW (2008 – Ein ZUSTANDSBERICHT)

    (5.) – Erster, erdüberdeckter Bunker:

    …mit zwei Zugängen, zwei vorderen und zwei hinteren Belüftungen. Gegenüber, wie bereits erwähnt, eine Löschwasserzisterne aus Betonfertigteilen. Und weiter geht’s in Richtung Nordwest, dabei immer auf der Hut vor direkter Sicht zu Jägerhochständen.

  9. #9
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    AW: MUNA – WULKOW (2008 – Ein ZUSTANDSBERICHT)

    (6.) – Hallen, teilweise eingestürzt, in der Nähe manchmal ein, einer Garage ähnlicher Unterstand:

    Die Hallen dienten eventuell der Unterbringung von Fahrzeugen, ich könnte mir aber auch vorstellen, dass dort irgendwelche Produktionsschritte ausgelagert waren (Vermutung).

  10. #10
    Gesperrt Avatar von Ralfi
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    AW: MUNA – WULKOW (2008 – Ein ZUSTANDSBERICHT)

    Krasse Beiträge... Danke auch für die schönen Bilder...

    mfg Ralfi

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