Rising​ by Broken Window Theory​, auf Flickr
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Die Sonne war gerade erst aufgegangen und wir waren bereits wieder auf dem Weg zu einem Sperrbereich irgendwo in Ostdeutschland. Der Stahlkoloss war bereits in mehreren Kilometern Entfernung zu sehen, da er alles im Umfeld überragt. Diesen Schaufelradbagger „gewaltig“ zu nennen, wäre eine Untertreibung.

Steel Colossus​ by Broken Window Theory​, auf Flickr

Diese Dimensionen waren einfach überwältigend. Es kommt einem wie eine ganze Fabrik auf Rädern vor. Apropos: Über insgesamt sechs Raupen verfügt die Bestie. Damit konnte eine Fahrgeschwindigkeit von etwa sechs Metern pro Minute erreicht werden. Insgesamt wiegt der Koloss über 3.800 Tonnen. Das ist eine unvorstellbare Menge! Es sah aus, als wäre das Ding direkt einem Mad Max – Film entsprungen.

Mad Max​ by Broken Window Theory​, auf Flickr

Das Rad besitzt mehrere Schaufeln. Jede einzelne Schaufel hat ein Fassungsvermögen von 1,5 Kubikmetern. Das entspricht 1.500 Litern!



Excavator​ by Broken Window Theory​, auf Flickr

Dieser Schaufelradbagger wurde bei verschiedenen Braunkohlentagebaus in der Region genutzt. Während das riesige Rad rotierte, haben die Schaufeln Erde aufgeladen und dann auf einem Fließband abgeladen. Diese Fließbänder transportierten die Erde zu anderen Fahrzeugen, die wiederrum die Erde zur Abladestelle brachten. Trotz der Größe wurde nur eine kleine Mannschaft benötigt, um das Biest zu steuern.

Bucket-Wheel Excavator​ by Broken Window Theory​, auf Flickr


Zugegebenermaßen war das Herumklettern auf einem völlig verrosteten Schaufelradbagger nicht die vernünftigste Idee gewesen, die wir an diesem Tag hatten. Diese verrosteten Gitter waren das Einzige, das zwischen uns und einem Sturz in den Abgrund stand. Aber den tollen Ausblick war es dafür allemal wert! Von der Spitze des Fahrzeuges konnte man alles sehen. Aber auch von überall gesehen werden...


Industrial Climber by Broken Window Theory, auf Flickr​

Im Jahr 1964 wurde der Schaufelradbagger gebaut. Er hat eine Gesamtlänge von ca. 110 Meterund ist ganze 50 Meter hoch. Heute ist es zwar kaum noch zu erkennen, aber das Fahrzeug wurde einmal komplett mit blauer Farbe angestrichen. Daraufhin erhielt das Monster aus Stahl den Spitznamen „Blaues Wunder“. Angeblich wurde den Verantwortlichen daraufhin sogar eine Ordnungsstrafe angedroht. Der Obrigkeit hat es nicht gefallen, dass sich der Schaufelradbagger von der restlichen Tagebau-Großtechnik abgehoben hatte, die sich sonst in einem einheitlichen grau präsentierte.


Old vs. New by Broken Window Theory, auf Flickr​

Nach über 35 Jahren Bergbautätigkeit machte sich das Blaue Wunder zu seiner letzten Fahrt auf. Der Grund: Es gab ganz einfach nichts mehr zum Ausgraben. Im Jahr 2003 fuhr das Fahrzeug acht Kilometer weit zu seiner letzten Ruhestätte. Die umliegenden Städte hatten beschlossen, den Schaufelradbagger zu erhalten. Nur kann man davon nichts sehen.


Blaues Wunder #16 by Broken Window Theory, auf Flickr​

Vandalismus, Graffiti und Diebstahl nehmen nach und nach überhand. Zudem setzen Wind und Wetter dem Koloss zu. In Sichtweite zu erneuerbaren Energiequellen zeugt dieser Schaufelradbagger vom einstigen Braunkohlebergbau in der Region. Aber diese Ära ist vorbei. Und eines der größten Landfahrzeuge auf der Welt hat nun ausgedient.


Top-Down by Broken Window Theory, auf Flickr​



Wenn ihr jetzt noch mehr von diesem Koloss sehen wollt, schaut gerne bei YouTube vorbei:




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