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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hallo aus Potsdam-Babelsberg



ElLennart
06.01.2015, 16:37
Guten Tag an alle!
Ich habe mich eben frisch angemeldet, da ich versuche, ein Geschichtsprojekt fürJugendliche anzuschieben. Ich bin bei der noch recht unstrukturierten Recherche per Google auf einen Eintrag hier gestoßen, in dem ich Fragen habe. (Wer es verfolgen möchte - es geht um eine Bunkerfrage bzgl. Potsdam/Luftschutz/Orenstein&Koppel. Ein Beitrag von 2008 von agent-k )
Was den Raum Potsdam und einige andere hidden places betrifft, bin ich ein klein wenig bewandert; vielleicht möchte oder kann jemand etwas von mir erfahren, was ich weiß. Ich gebe gern weiter, was ich weiß. Ichwar in den letzten Jahren nach Berichten meiner Verwandtschaft mehr und mehr erst in Büchern und Internet, dann im Gelände unterwegs. Ich bin allerdingsweder Bunkertypenfachmann, Militärhistoriker noch Sondengänger. Mich berührt die Dramatik derEreignisse, bin aber weder gern selbst Soldat gewesen noch bin ich gieriger Sammlervon Hakenkreuzrelikten. Also wenn Kontakt und Austausch, dann bittewertungsfrei und sachlich, nicht fanatisch und verherrlichend.
Dann bin ich gern bereit, Hinweise auf Orte zu geben oder auch zu begleiten. Was aber zeitlich sicher gannnnnnnz schwierig sein dürfte. Ich bin gespannt und hoffe, auch als nicht mit akribischen Detailkenntnissen ausgestatteter User respektiert zu werden. Was in anderen Foren, mit denen ich mich auf irgendeine Weise verbunden fühle, nicht immer klappt ... es gibt immer Insider und Fachleute und eben die einfach interessierten oder fragenden User, wie mich.
Jedenfalls: ich war Aufklärer und bin gelegentlich ein "Waldläufer"; ich kann anderen Usern vielleicht aktuelle praktische Tipps geben, wenn sie etwas aufsuchen wollen.
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Edit: Leerzeichenschwäche...

Ein gesundes neuesJahr wünsche ich allen Forumsmitgliedern!

Beste Grüße ElLennart

Martin K.
07.01.2015, 12:18
Willkommen bei uns im Forum. Geht es um allgemeine bauliche Spuren bzw. Beschädigungen in Potsdam oder sollen auch Erinnerungsorte mit im Projekt aufgenommen werden?

BG aus Berlin
Martin

ElLennart
07.01.2015, 14:52
Hallo Martin,

unsere bisherigen Veröffentlichungen im Rahmen des Projektes "Zeitensprünge" sind quadratische Broschüren mit Bildern und Texten. Themen waren Graffiti in Potsdam in 25 Jahren, Musikszene ebenfalls in 25 Jahren und das alternative Kulturprojekt "Archiv" seit dessen Gründung. Leider waren sie nie sehr umfangreich, also dick im Sinne von vielen Seiten. Ich weiß nicht, ob das mit Kosten oder erarbeitetem Inhalt zu tun hatte. Man muss sich also auf bestimmte Dinge beschränken. daher schwebt mir vor, aufgrund der Dringlichkeit überhaupt noch Spuren zu finden, die eingerichteten Erinnerungsorte außen vor zu lassen. Mir geht es um Dinge, die vergänglich sind, wie Bodenspuren und Kampfspuren an Gebäuden. Dazu wollte ich die letzten verbliebenen sichtbaren Bunker aufführen und nach Möglichkeit 1-2 Zeitzeugen aus unmittelbarer Umgebung zu ihren Erinnerungen befragen.
das wäre schon mindestens so viel, wenn nicht mehr, als in den bisherigen Publikationen steckte. Der Anspruch ist, durch die Spuren auf den Realismus des Kriegsgrauens hinzuweisen, bevor die Landeshauptstadt komplett durchsaniert ist. Anlass sind die allgemeine Aufmerksamkeit durch Ereignisse wie Bombenentschärfungen, letzte Sanierungen in der Innenstadt und natürlich das Jubiläum des Kriegsendes, welches in den Schulen erwähnt werden sollte.
in der Schule meiner Tochter gibt es evtl. den passenden interessierten Lehrer, der eine Geocaching-Gruppe betreut. Auf deren Beteiligung baue ich, in meinem momentanen Entwurf dieser Aktion. Im Falle der Graffiti-Geschichte gab es eine Fortsetzung; das wäre sicher auch mit dem Thema möglich, wenn man in einer zweiten Runde Erinnerungsorte aufnimmt.

BG aus dem grünen Vorort
ElLennart

ElLennart
07.01.2015, 14:59
Zum besseren Verständnis. ich verbinde natürlich ein vorhandenes privates Interesse mit meinen Aufgaben und Angeboten als Sozialpädagoge in der Potsdamer Jugendarbeit. Projekte mit Kids machen nun mal am meisten Spaß, wenn man private Leidenschaften einbringen kann, das ist für die Kids auch bunter und authentischer, als wenn man das 168. Kistenstapeln oder seidentuchbemalen anbietet, sag ich immer.

sollte das als Projekt nicht funktionieren, weil das Konzept nicht in die Förderung aufgenommen wird, oder sich keine beteiligten jungen Menschen finden - dann wird es aufgehoben und im nächsten Jahr wieder beantragt. Die fotografische Sicherung sollte ich aber trotzdem schaffen, die Zeitzeugengeschichte auch ... die ist natürlich aufwändiger.

ElLennart

Büttner
07.01.2015, 15:35
Hallo,
mir fällt da etwas ein. In P. sollten im Landesarchiv Bestände vom Amt für Kriegsschäden (und Besatzungskosten) verfügbar sein. Das wäre zwar nur dröges Aktenstudium aber das kann meiner Meinung nach ein Teilaspekt des Projektes werden. Zumindest ergeben sich zahlreiche authentische Schilderungen und Adressen. Und eben auch möglicherweise noch lebende Zeitzeugen über 80. Man kann aber auch in Altersheimen Zettel aufhängen oder gleich Generationsübergreifende "Fragerunden" organisieren. Tonmitschnitte, Abschriften usw..... Das ergibt ein hohes Beschäftigungspotential für die Teilnehmer.
Ideen gibt es genug, bspw. das Archiv der P. Verkehrsbetriebe. Fotos von beschädigten betrieblichen Infrastrukturen wären eine gute Vergleichsmöglichkeit. Das gilt für alle städtischen bzw. kommunalen Einrichtungen. Feuerwehr .... die Liste ist lang.

In welcher konkreten Art und Weise können die User dieses Forum Unterstützung leisten, sofern das gewünscht wird?

ElLennart
08.01.2015, 17:23
@büttner: das ist natürlich die Herangehensweise für den echten erwachsenen Hobbyhistoriker. Diese Möglichkeiten sind realistisch und großartig. Allerdings habe ich momentan noch einen niedrigschwelligen Ansatz. Es geht ja um Kinder und Jugendliche, die sich beteiligen sollen. Ich habe die Idee heute z.B. ein paar Viertklässlern erzählt. Weil sie tatsächlich mit mir über die Bedeutung der jüngsten Bombenentschärfung reden wollten! haben Eltern und Lehrer scheinbar noch nicht gemacht...
Jedenfalls habe ich wohl damit schon die erste Suchgruppe, aber da ist Recherche im Landesarchiv zu hoch angesetzt, verstehst du? Es geht um die Anschaulichkeit.
Ich bin jetzt gespannt, wie die Eltern reagieren, nachdem ich den Kindern schnell ein Schreiben gemacht habe, ob sie einverstanden sind.

Im Anschluss an das Gespräch heute wäre nämlich das Thema: welche Kraft hat denn so eine Bombe eigentlich? Also: Ausflug angeboten. Von unserem Treffpunkt bis zum jüngsten Bombenkrater Potsdams sind es 10min mit dem Auto und noch mal 10-15min Waldweg.

Ich passe das also erstmal für Grundschüler an.

ElLennart

ElLennart
14.04.2015, 16:31
Soooooo, mal eine Zwischenmeldung, damit niemand denkt, dass ich hier rumspinne: das Projekt ist in das "Zeitensprünge"-Programm 2015 aufgenommen worden. Recht anspruchsvolle Vorgaben. Die Gruppe habe ich neu formiert; es sind jetzt SchülerInnen der Klassen 8 und 11. In der Vorrecherche habe ich in den letzten Monaten fast ganz Potsdam abgeklappert. Mein Fotoapparat ist zwischendurch kaputtgegangen; die Bilder werden gerade schlechter, bis ein neuer her kann. Aber ich entdecke wöchentlich noch immer mindestens einen neuen Luftschutzpfeil und sammele Geschichten von Anwohnern . Heute gerade eine Story: ein Nachbar meiner Arbeitsstelle erzählt von seiner Großmutter, die in Babelsberg lebte. Der gut ausgebaute Schutzraum in der Adresse ist noch immer erhalten (die Großmutter nicht mehr). Die einzige Berührung der Oma mit der großen Welt war, dass sich bei einem Luftalarm die große Marika Rökk in diesem Luftschutzraum einfand, weil sie gerade in der Straße unterwegs war (in Babelsberg war ja immer viel UFA-Volk unterwegs). Und so saß die Oma bis zur Entwarnung mit ihr zusammen , in Anspannung vereint. Auf jeden Fall habe ich heute den Hinweis auf einen erhaltenen überirdischen Bunker im Stile der Einmannbunker erhalten, den ich jetzt suchen werde. Und am Freitag ist Zeitensprünge-Auftakt, mit Präsentation der Idee und Workshops zur Vorgehensweise.. Mal sehen, wie sich meine brandneue Gruppe mit meiner Idee schlägt. Ansonsten bleibt zu sagen, dass Potsdam die Gedenkwoche zum Bombenangriff heute vor 70Jahren begeht. Heute abend um kurz nach 10 werden alle Glocken geläutet. Die Veranstaltungen und die Presse nehmen viel von dem vorweg, was wir erforschen wollten (vor allem die Zeitzeugengeschichten. Interessant ist, dass vom früheren Betonen der Befreiung immer mehr auf die Zerstörung des Kulturgutes und die Leiden der Deutschen in dieser Phase umgeschwenkt wird. Und die ganze Sache wird enorm benutzt, um den Menschen nahezulegen, dass Potsdam wieder so historisch wie möglich rekonstruiert werden soll. Ärgerlich, für mich persönlich, aus verschiedenen Gründen. Aber naja. Beste Grüße an alle - Ellennart

ElLennart
12.08.2015, 15:14
Ahoi nach einem kurzen Urlaub; zum Potsdam-Projekt einige zerstreute Neuigkeiten, die man erst fassen muss. Aber ein paar Anmerkungen zu Themen, an denen ich mitgelesen oder geschrieben habe, und an deren Orten ich letzte Woche langgerutscht bin:
- Rätsel in Pruchten - sieht unverändert aus, ich hatte keine Zeit, das baugleiche Objekt bei Barth zu besuchen
- Reste der Schulbatterie Althagen/Ahrenshoop finden: auch keine Zeit
- Bunker 302 Eichenthal: Fotoverbot gilt nach wie vor; das Erlebnis wird für den Preis von 18€ inkl. Führung mittlerweile bzw. momentan durch zwei kleine Ausstellungen bereichert, eine Fotogalerie über Berlins Geisterbahnhöfe und Fluchtdramen von der Ostsee
- die Führung hat sich nicht verändert; mir fehlt nach wie vor, dass vielleicht ein paar Worte über die Menschen, die dort Dienst taten, fallen. Die Lebens- und Dienstbedingungen am Standort, sozusagen. Bzw. es gab eine Bemerkung über die Bausoldaten, die klischeehaft war und stimmen mag, die aber nicht im Entferntesten das System des Bausoldateneinsatzes erläuterte. Das sollte vielleicht für echt auswärtige Besucher mal noch um drei Sätze ergänzt werden.
- Rechlin/Lärz: war nicht genug Zeit, Rechlin Nord (hat echt Potential, ich bin beeindruckt, Fördergelder ole! ) durch das Museum im Schnelldurchlauf; Lärz-Museum nur geortet. Das Gras stand so hoch, dass nicht mal der Würzburger zu sehen war.
- Weiße Häuser: ich war nicht gut vorbereitet. Drum habe ich hier und da gefragt. Es schien, als habe man sich geeinigt, das niemandem zu erklären. Verständlich, irgendwie. Wegen Naturpark, wegen eines Todesfalls (?) , wegen der Kampfmittelbelastung , wegen der Erreichbarkeit überhaupt usw.
Wenn ich das nun ordentlicher geplant hätte - macht es denn überhaupt Sinn, dorthin zu wandern oder zu radeln? Oder wird auch mehrheitlich abgeraten, wegen Gefahren oder Ärger mit Rangern/Förstern vor Ort? Ich beabsichtige keine Kletteraktionen. Das ist bei mir nur "hear, read, search, find & see".

Das mich begleitende Pubertier hatte Verständnis und zeigte durchaus Interesse (vor allem am 302, hört hört). Allerdings musste der Vatta auch deutlich in Teenagerthemen Zeit investieren. Longboard fahren zum Beispiel....
Gruß aus Babelsberg
ElLennart

ElLennart
19.11.2015, 18:00
Hallo liebe User,
das Projekt ist vorläufig abgeschlossen.
Ich werde sicher noch hier und da einige Beiträge in diesem Zusammenhang machen. Um noch Einiges herauszufinden, aber auch, um die Euch geläufigen Details auch aus meiner Stadt zu zeigen.
Die Broschüre ist heute angekommen, für einige unterstützende Mitglieder des Forums ist sie bereits seit einer Stunde auf dem Postweg.
Wer Interesse und Gelegenheit hat, holt sie sich im Potsdamer Lindenpark ab. Wer Interesse ohne Gelegenheit hat, sendet einen mit derzeit 1,45 € frankierten Umschlag für A4-Format an uns. Oder zumindest die Marken dafür; dann müssen wir halt den Umschlag raushauen. Die Broschüre ist im 20x20Format, deshalb A4-Umschlag.
Nebenbei empfehle ich, diesen Mann noch kennenzulernen:
https://www.youtube.com/watch?v=LlItAWMwUMk
https://www.youtube.com/watch?v=utV5mxCn5GI (https://www.youtube.com/watch?v=utV5mxCn5GI)=

Beste Grüße aus Babelsberg

Sven K.
21.11.2015, 16:27
Die Broschüre ist gestern bei mir angekommen. Ich war erstaunt was ihr noch alles gefunden habt. Das Interview mit dem Zeitzeuge ist sehr interessant und toll das ihr es bei Youtube eingestellt habt.

Gruß Sven!

ElLennart
21.11.2015, 18:09
Vielen Dank! Das freut mich.
Alles hat ja nicht mal reingepasst. Aber seitenweise Pfeile wären ja dann irgendwann auch langweilig gewesen. Es gab z.B. zwei Gebäudeanlagen, wo sie zu Hauf vorkamen und immer gleich aussahen. Straßen- und hofseitig manchmal.
Ich musste das schon reduzieren. Jede einzelne Marke aufzuführen wäre echt fett geworden. Das Oberlin-Gelände z.B. mehr Spuren, als im Heft zu sehen sind.

Gruß aus Babelsberg

Panzermensch
22.11.2015, 18:26
Auch ich habe mein Exemplar vorgestern erhalten. Vielen Dank dafür! Sehr schön geworden!

Panzermensch
09.01.2016, 07:37
Hey ElLennart,

ich habe mich auch mal wieder unseres "Lieblingsthemas" angenommen und einen umfangreichen Artikel für die aktuelle (1_2016) Ausgabe der Zeitschrift "Berliner Geschichte" zum Thema "Kriegsspuren" geschrieben. Hauptthema der Ausgabe ist die Archäologie in Berlin.

Gibts jetzt im Handel bzw. zu bestellen beim Elsengold-Verlag:
http://berliner-geschichte.net/