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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : MDR-Doku » Sonderwaffenlager Altenburg



interessierter7
14.01.2014, 06:44
Hallo!

im Thread zu Sonderwaffelagern steht es auch schon, jetzt nochmal hier - heute abend auf dem mdr: 14.01., 20.45 Uhr, ein Film von Michael Erler: "Der Osten - Entdecke wo du lebst / Geheimes Atomwaffenlager in Altenburg"


http://www.mdr.de/tv/programm/sendung347914.html



Viele Grüße
I7

Martin K.
14.01.2014, 21:07
Nun auch in der Mediathek: http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/a-z/derostenentdeckewodulebst100-default_letter-D_page-0_zc-c70efd0d_zs-dea15b49.html

BG
Martin

Nelson2110
14.01.2014, 23:03
"Geheimes Atomwaffenlager in Altenburg" - wie groß war eigentlich der Anteil des "Atomwaffenlagers in Altenburg" an der Sendung?

Das Rezept der Sendung war leicht durchschaubar - man nehme einige seit Jahren bekannte Videoschnipsel, tue sie in einen Topf, rühre das Ganze einige Male kräftig um und fertig ist ein neuer Beitrag zur Sendereihe "Der Osten - Entdecke wo du lebst". Erkenntnis-Neuwert: genau 0 (in Worten: Null).

Tragisch nur, dass man die schon vor Jahren in den Dokumentationsteilen enthaltenen Fehler auch weiterhin kultiviert.

Brrrr!!! :upset:

Frank K.
15.01.2014, 07:59
Hatte mir durch Zufall einen vorigen Beitrag dazu angesehen. Den über das Grubenunglück in Zwickau. Hatten wir hier mal thematisiert und ich habe es miterlebt, wenn auch noch jung. Völlig unfassbar unmöglicher Beitrag. Da könnte man genau den Text des letzten Beitrages hier rein kopieren.

Grüße Frank

railroader
15.01.2014, 08:42
ja viele Szenen kamen mir auch aus anderen Dokus bekannt vor. Doll war es nicht...

bitti
15.01.2014, 18:06
Ja mit Atombomben und strategischen Raketen lässt sich halt "viel" machen... :(

railroader
15.01.2014, 18:23
Das muss aber auch am Filmemacher Michael Erler liegen. Nen reißerischen Titel hatte er doch auch bei der Ostwall- Doku im Petto." Die Festung der Nazis". Und die Doku war bis auf einige Schnipsel auch nicht der Brüller..

Andi39GE
15.01.2014, 18:26
Ja mit Atombomben und strategischen Raketen lässt sich halt "viel" machen... :(

Oooooh
Ist doch im Forum manchmal ähnlch ;-)

@railroader: was heißt
auch ... am Filmemacher?
An wem liegt es Deiner Meinung nach noch wenn nicht nur am Hernn Erler?

railroader
15.01.2014, 18:30
Na vielleicht an den Auftraggebern für so eine Dokumentation? Oder dreht der Dinger nur für sich???????

Frank K.
15.01.2014, 18:34
@bitti,
erstmal Glückwunsch zum Tausendsten. 500€ sind sofort für die Forumskasse fällig :)


Ist doch im Forum manchmal ähnlch ;-)

Mag sein. Da gibt es einen gewaltigen Unterschied, wir finanzieren uns nicht von Zwangsgebühren. Wiederholungen sind hier auch nicht so das Thema und ich denke, gerade auf diesem Gebiet sind wir viel ruhiger geworden. Wir waren halt im Wesentlichen damit durch.

Grüße Frank

blitzpilot
15.01.2014, 19:24
Doku???
Na ja ist irgendwie mit Vorsicht zu Genießen. Es ging nicht bloß um Altenburg. Viel sagen und nichts kommt bei raus.
SS 20 in der DDR stationiert, habe ich da was verpasst?

BG BP

Nelson2110
15.01.2014, 20:34
SS 20 in der DDR stationiert, habe ich da was verpasst?

BG BP

Ja! Und zwar die Diskussion in einem anderen Internet-Forum.

Ich glaube, es war am 7. November 2006, als der MDR Teil 1 der zweiteiligen Fernsehdokumentation "DDR geheim - Die Atomwaffen der DDR" ausstrahlte. Im Rahmen der beiden Sendungen (der zweite Teil folgte am 14. November 2006) wurden nämlich gefühlte 90% des Videomaterials der neuen Erler-Doku schon mal ausgestrahlt. Und in dem besagten anderen Internet-Forum entspann sich daraufhin eine sehr umfangreiche und detaillierte Debatte zum Inhalt der Doku und den Hintergründen des Themas. Da auch einige User von hidden-places in diesem anderen Internetforum aktiv sind, werden sie sich möglicherweise noch an die Fehlerliste zu dieser Doku erinnern. Und wie ich bereits schrieb - mit dem Videomaterial von damals wurden von Herrn Erler auch die Fehler übernommen. Eine der Merkwürdigkeiten: Die Videosequenz zeigt eine 9P113 (eine Startrampe für taktische Raketen LUNA-M) nach dem Überqueren eines Wasserhindernisses und der Sprecher faselt etwas von Mittelstreckenraketen. Ein oder zwei Sekunden später rollt eine 9P120 (eine Startrampe für operativ-taktische TEMP-S-/SS-12-Raketen) durchs Bild und der Sprecher redet über die SS-20. Eine weitere Merkwürdigkeit: Es wird der Bunker gezeigt, in dem angeblich die Atombomben für die Flugzeuge auf dem Flugplatz Altenburg-Nobitz lagerten ("in schlichten Holzkisten"!). Dann läuft der Sprecher zur Hochform auf: "Aber auch Raketensprengköpfe lagerten hier ... Vermutlich." Selten solchen Schwachsinn gehört.

Glaubst Du, dass Herr Erler in der Lage wäre, eine SS-20 von einer SS-12 zu unterscheiden? Ich habe da - offen gestanden - meine Zweifel.

BG, Nelson

blitzpilot
15.01.2014, 21:17
Na ja eine MiG 21 sollte ja angeblich auch ein Atomwaffenträger gewesen sein.
Ich dachte eigentlich, dass es ein Jagdflugzeug war. Und als Atomwaffenträger andere Flugzeugtypen zur Verfügung standen.

BG BP

Frank K.
16.01.2014, 07:51
es war am 7. November 2006, als der MDR Teil 1 der zweiteiligen Fernsehdokumentation "DDR geheim - Die Atomwaffen der DDR" ausstrahlte.

Nelson,
könnte man sagen, diese Sendung des MDR war der Ausgangspunkt für die allg. 'SS-20 in der DDR'-Diskussion ? Die hatten wir auch hier im Forum. GF

Maus
16.01.2014, 12:04
Nelson,
könnte man sagen, diese Sendung des MDR war der Ausgangspunkt für die allg. 'SS-20 in der DDR'-Diskussion ? Die hatten wir auch hier im Forum. GF

Ich bin zwar nicht Nelson, aber ich denke "Ausgangspunkt" wäre zuviel der Ehre für diese MDR-Sendung.
Hier mal ein Bsp. von 2001, also durchaus früher als 2006: Filmdoku zum Buch "Roter Stern über Deutschland", Teil 2, 41:50 min
www.youtube.com/watch?v=Cqrr9YYt11k&t=2510

Gruß M.

Frank K.
16.01.2014, 12:24
danke Maus,
hätte die persönliche Ansprache auch besser weglassen können. Die Frage ging eh an alle hier (schon länger) Mitdiskutierenden. GF

Maus
16.01.2014, 12:40
Ergänzung noch dazu: "SS-20" wurde schon in den 80er Jahren umgangssprachlich / im allgemeinen Sprachgebrauch als Synonym verwendet für "sowjetische Rakete", zB in der Politik, Presse, Nachrichten. Das wurde hier im Forum auch schon mal von Kurtz so bestätigt (Thema hieß "Butter bei die Fische" oä).
Das hat sich dann offenbar bei vielen als "richtige Bezeichnung" bzw. als Gattungsbegriff eingebürgert und wird bis heute so verwendet. Ich denke die allerwenigsten, die diese Bezeichnung benutzen, wollen damit ernsthaft die Stationierung des tatsächlichen Waffensystems "Pioner" in der DDR behaupten. Sie wissen es einfach nicht besser bzw. interessieren sich auch nicht wirklich dafür.

Bsp. In der Geschichtsschreibung div. Widerstands- und Betroffenenverbände gibt es den interessanten Kalendereintrag:
"15. Juli 1983: Die UdSSR stationiert die ersten nuklearen Kurzstreckenraketen SS 20 in der DDR."
http://www.jugendopposition.de/index.php?id=245

Schön sehen kann man den Effekt auch am Bsp. Kalendereintrag im "Neuen Deutschland" für den 12. November 1983:
"verabschiedeten Bürgerrechtler den »Rostocker Appell« gegen die Aufstellung sowjetischer Raketen (SS 20) in der DDR."
http://www.neues-deutschland.de/artikel/838448.wochen-chronik.html
Interessanterweise enthält nämlich der ursprüngliche Text des Appells die Bezeichnung SS 20 NICHT, da heißt es nur:
"zur geplanten Aufstellung sowjetischer Raketenkomplexe operativ-taktischer Bestimmung"
http://www.ddr89.de/ddr89/vor/appell_rostock.html

Von einem Buch mit wiss. Anspruch wie "Roter Stern über Deutschland" (siehe mein voriger Beitrag, Autor ist Historiker bei der BSTU, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei der "Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur") dürfte man natürlich eigentlich eine etwas bessere Recherche und korrekte Informationen erwarten, aber naja.

Gruß M.

Andi39GE
16.01.2014, 12:40
Glaubst Du, dass Herr Erler in der Lage wäre, eine SS-20 von einer SS-12 zu unterscheiden?


Was soll diese Frage ins Forum?
Deine Frage kann doch E. am besten selbst beantworten!


BG
Andreas

burk
16.01.2014, 12:43
Hallo,
ich glaube das "Thema SS20 in der DDR" ist schon viel älter und existierte auch schon vor den Internetforen ( und dem Fernsehbericht ). Irgendwann hat jemand die Stationierung der neuen Raketensysteme in der UdSSR und der SS12 in der DDR in einen Topf gehauen und so wurden daraus die SS20 in der DDR. Seit dem geistert es durch die Welt und seit dem ist jede große Rakete eine SS20. Auch in dem Fernsehbericht wurde ja alles mögliche an Raketen gezeigt, ich glaube sogar eine Wolchow - die mit dem eigentlichen Thema nix zu tun hat. Ich fand, daß in dem Beitrag alles zusammengeschnipselt wurde was man bekommen konnte und irgendwie nach Rakete oder Bunker aussah und Fertig.
... schade meint BURK

efel23
16.01.2014, 17:40
Eine Sendung des MDR vom 14.01.2014 bzgl. Sonderwaffenlager und Atomwaffen in der DDR.
Ich pack es mal hier rein, da es nicht nur um Altenburg/Nobitz geht:

http://www.youtube.com/watch?v=Gz1YklQOkvA

Frank K.
16.01.2014, 17:51
... und ich habe es hierher verschoben, weil wir uns gerade so schön darüber unterhalten. GF

Büttner
16.01.2014, 18:31
Eine weitere Merkwürdigkeit: Es wird der Bunker gezeigt, in dem angeblich die Atombomben für die Flugzeuge auf dem Flugplatz Altenburg-Nobitz lagertenStellst du das in Frage? Naja, aber der zeitliche Zusammenhang in Altenburg fällt schon irgendwie auf. Also der Typwechsel der dort stationierten Flugzeuge (MiG-21 -> MiG-27) und der Bau dieses Bunkers. Je nach Interpretation kann dieser Vorgang nur und ausschließlich für sich alleine betrachtet alles oder nichts bedeuten.

railroader
16.01.2014, 19:19
Was soll diese Frage ins Forum?
Deine Frage kann doch E. am besten selbst beantworten!


BG
Andreas

Immer wenn die Frage auf den Herrn Erler kommt, klingst Du leicht angesäuert?? Warum?

Büttner
16.01.2014, 19:36
Na ja eine MiG 21 sollte ja angeblich auch ein Atomwaffenträger gewesen sein.
Nicht nur angeblich - sondern tatsächlich, teilweise ausgewählte Serien einer Variante, mitunter sogar die komplette Variante.

Ich dachte eigentlich, dass es ein Jagdflugzeug war.
Grundsätzlich richtig, einzelne Versionen wurden von Jagdbombereinheiten benutzt, als Jagdbomber. Und von Jagdfliegereinheiten auch als Jagdbomber. Halt ein Mehrzweckkampfflugzeug das immer noch fliegt.

Und als Atomwaffenträger andere Flugzeugtypen zur Verfügung standen.
Offensichtlich nicht ausreichend. Daher wurde auch die MiG-21 für diese Aufgabe verwendet.

Karl von Oertel
17.01.2014, 01:28
Hallo an alle,

ich stelle hier mal ein Bild aus dem Luftfahrt- u. Technik - Museum Merseburg ein..
88004

was es ist und ob die Beschriftung stimmt überlasse ich mal den Experten..

Gruss Karl..

Büttner
17.01.2014, 04:33
Beschriftung stimmt. Kann aber auch für eine MiG-23 sein. Macht keinen großen Unterschied. MiG schreibt man aber mit kleinem "i".

fernaufklärer
17.01.2014, 09:45
hier sollten wirklich Insider ran.
Ich kann auch einen morschen Holzbalkenrest auf die Via Dolorosa legen und behaupten, er sei vom Kreuz...

meint FA

Büttner
18.01.2014, 10:34
Der Artikel "Die MiG-21 als Kernwaffenträger" von 2010 wurde hier oder andeswo vermutlich noch nicht zitiert:


Mit der Verfügbarkeit sowjetischer taktischer Atombomben mit einer Masse von unter einer
Tonne ab Anfang der 1960er-Jahre wurde auch die Option, die MiG-21 als Träger für diese
Waffen einzusetzen, ins Auge gefasst. Bereits einer der MiG-21-Prototypen wurde unter der
Bezeichnung Je-6N – das N steht für Nositel (Träger) – als Kernwaffenträger getestet.
Die notwendige und nur im Bedarfsfalle zu installierende Zusatzausrüstung für den Einsatz
von Kernwaffen umfaßt ein Bedienteil zur Befestigung am oberen Rahmen der Frontscheibe,
ein Steuerteil zur Montage auf der rechten Oberseite der vorderen Instrumententafel
sowie den Spezialträger BDS-66-21N, der statt des normalen Zusatzbehälter (ZB)-Stiels
unter dem Rumpf des Flugzeugs montiert wird. Die Verkabelung zwischen den einzelnen
Komponenten ist bei den vorgerüsteten Flugzeugen standardmäßig vorhanden. Dabei ist
der BDS-66-21N nur etwa halb so hoch wie der ZB-Stiel, um die erforderliche Rollfreiheit
mit angehängter Kernbombe sicherzustellen. Dennoch bleibt es fraglich, ob ein Start in
dieser Konfiguration von unbefestigten Flugbetriebsflächen möglich ist. Das Bombenschloß
des Spezialträgers ragt konstruktionsbedingt nach oben über diesen hinaus. Eine ent-
sprechende Öffnung im Flugzeugrumpf – üblicherweise durch ein Verkleidungsblech abgedeckt –
nimmt das Bombenschloß auf. Das Vorhandensein einer solchen Öffnung darf als sicheres
Kriterium für die prinzipielle Kernwaffentauglichkeit der jeweiligen MiG-21-Version gelten.
Der Träger selbst verfügt über drei Paare Bombenstützen und ist an der Unterseite entsprechend
der Form der Kernbombe gewölbt, um weitere Bodenfreiheit zu zuschaffen. Die Verkabelung
beinhaltet einen speziellen Stecker zur Versorgung der Systeme der Spezialbombe. Die
Hermetisierung dieses Steckers sollte das Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit in
die Polkontakte verhindern und damit technischen Zuverlässigkeit der Verbindung erhöhen.
Mittels der genannten Komponenten war der Einsatz einer taktischen Atombombe mit einer
Masse von ca. 450 kg und einer Sprengkraft von fünf bis 20 kT TNT-Äquivalent möglich.
Vorrausetzung dafür war allerdings die Fernschärfung der Kernwaffe durch ein codiertes
Funksignal, das nur von dazu befugten Stäben ausgelöst werden konnte. Ohne diese Fernschärfung
konnte der Flugzeugführer die Waffe nur ungeschärft im Notabwurf auslösen.
Von den bei den WWS eingesetzten MiG-21 verfügten die Versionen S (OKB-MiG-Bezeichung
Je-7N), SM, SMT und bis über eine Kernwaffenfähigkeit. Typisches Einsatzverfahren
war dabei der sogenannte Schleuderwurf, bei dem aus dem Tiefflug heraus in verschiedenen
Steigwinkeln die Bombe ausgelöst wurde und diese einer ballistischen Kurve folgend
im Ziel einschlug. Das Verfahren gewährleistete somit eine gewisse Überlebenswahrscheinlichkeit
der Besatzung. Da die MiG-21 nicht über Systeme zur automatisierten Durchführung
dieses Manövers verfügt, musste der gesamte Abwurfvorgang durch den Flugzeugführer in
der erforderlichen Präzision durchgeführt und entsprechend trainiert werden.
Mit kernwaffenfähigen MiG-21 wurden dabei sowohl Jagdflieger- als auch Jagdbombenfliegereinheiten
ausgerüstet, und beide übten die entsprechenden Einsatzverfahren. In den
Jagdbombenfliegerregimentern ersetzte die MiG-21 zumeist den provisorischen Jagdbomber
MiG-17, der keine Kernbomben mitführen konnte. Als die Produktionseinstellung der
wenig leistungsfähigen und unzuverlässigen Su-7 bereits abzusehen war, entstand mit
der MiG-21SMT eine spezielle Jagdbombervariante, die die Auffüllung der Regimenter bis
zur Verfügbarkeit der neuen Jagdbombertypen Su-17 und MiG-27 sicherstellte. In der er-
sten Hälfte der 1970er-Jahre waren etwa ein Drittel aller Jagdbombenfliegereinheiten mit
MiG-21 ausgerüstet, während die anderen zwei Drittel Su-7 nutzten. Der Bestand eines
mit MiG-21 ausgerüsteten Fliegerregiments der ersten strategischen Staffel betrug
durchschnittlich 48 Einsitzer, wovon wiederum eine Staffel für den Kernwaffeneinsatz
vorgesehen und ausgebildet war. Aus der späteren Phase des Einsatzes der MiG-21
in der nuklearen Trägerrolle ist bekannt, dass Flugzeuge dieser Staffeln – personell
vorwiegend mit Piloten der 1. Leistungsklasse besetzt – permanent mit Spezialträgern
BDS-66-21N ausgerüstet waren und so am regulären Flugdienst teilnahmen. Ein weiteres
sicheres Indiz für den auch tatsächlich geplanten Einsatz der MiG-21 als taktischer
Nuklearträger sind die entsprechenden Lagerbunker auf diversen MiG-21-Basen, z. B.
Chojna in Polen, Milovice in der ČSSR, Kiskunlacháza in Ungarn (siehe eXtra 22).
Darüber hinaus liefern die Beobachtungen der US-amerikanischen Militärverbindungsmission
(US MLM) in Deutschland Hinweise auf die nukleare Doppelrolle der mit MiG-21 ausgerüsteten
Jagd- und Jagdbombenfliegerregimenter der sowjetischen Frontfliegerkräfte. So heißt es
im Jahresbericht 1973 der US MLM: »Die Jagdbomberregimenter setzten die intensive
Nutzung der Luft-Boden-Schießplätze … fort. Ihre Aktivitäten beinhalteten … auch
simulierte nukleare Bombenabwürfe. Die Abfangjägereinheiten führten ein intensives
Training mit ihren FISHBED durch, um ihre Fähigkeiten in der Erfüllung der Doppelrolle
aus Luft-Boden-Einsätzen und Luftverteidigung zu verbessern. FISHBEDs wurden dabei
beobachtet, wie sie LABS-artige Manöver (Low Altitude Bombing System, Anm. des
Autors: Im englischen Sprachraum Sammelbegriff für Einsatzverfahren, die typisch
für Abwurf von Kernwaffen sind.) über ihren Heimatstützpunkten flogen …«.
Schließlich sind die Autoren im Verlaufe ihrer Recherchen im näheren und weiteren Umkreis
auf zahlreiche Sachzeugen der Kernwaffenära im Kalten Krieg gestoßen, die die nukleare
Rolle der MiG-21 und ihrer Nachfolgemuster belegen. Interessant ist vor allem die Aussage
eines MiG-21-Piloten, wonach sich einige Ziele soweit von der Heimatbasis entfernt befanden,
dass ein Rückflug ausgeschlossen war. Der Pilot sollte sich möglichst nach Erreichen
der eigenen Linien katapultieren!
Holger Müller / Stefan Büttner
Quelle: http://www.fliegerrevuex.aero/fliegerrevue-extra-27/

Der im Museum Merseburg ausgestellte BDS-66-23N gehört lt. Artikel (Bildunterschrift) tatsächlich zu einer MiG-23 und ist baugleich mit dem BDS-66-21N der MiG-21. Im Luftwaffenmuseum Berlin-Gatow steht übrigens eine ursprünglich kernwaffenfähige MiG-21 der , das erwähnte Abdeckblech der Aussparung für das Bombenschloss des BDS-66-21N unter dem Rumpf habe ich eigenhändig demontiert um mich von der Richtigkeit der Aussage zu überzeugen.

Illustrationen und Erklärungen zum Bedienteil im Cockpit der MiG-21 gibt es hier:
http://www.16va.be/page_control_boxes_eng.html

Falls jemand Internet dazu mag, hier eine hochinteressante Aussage zum Thema Reichweite und MiG-21:


Mission of no return?

The range of the various MiG-21 versions preceeding the longer-range SMT models could be critical for the units not based in the vicinity of the frontline. The 515.IAP based at Tököl in Hungary was flying MiG-21bis models during the eighties. The 1.AE was nuclear capable and each pilot of the squadron had been assigned a target in Germany, Italy or Austria(!). Some targets were too far away (even with the external fuel tanks) and the pilots would have had to drop the nuclear bomb while flying horizontally and to eject when out of fuel, possibly above enemy territory. From Andrey Timokhin, 515.IAP.
Quelle: http://www.16va.be/3.8_armes_speciales_eng_part2.html

Und um den Bogen zur MiG-21 und Altenburg zu bekommen, hier ein schönes Foto von der Vorstartlinie:
http://www.16va.be/page_mig-21smt.html

PS: Wer viel Zeit hat kann sich auch die 19-seitige Diskussion im Flugzeugforum dazu durchlesen
http://www.flugzeugforum.de/threads/58674-MiG-21-als-Kernwaffentraeger