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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 30.04.2013: MDR / DDR geheim – Die FDJ-Kaderschmiede am Bogensee



Martin K.
28.04.2013, 12:59
30.04.2013 / 20:45 Uhr / MDR


Verborgen im Brandenburgischen Forst nahe dem Bogensee bei Wandlitz steht ein riesiger Gebäudekomplex, gespenstisch wie ein gigantischer Fremdkörper aus einer anderen Zeit. Ab 1951 wurde hier im Stil des sozialistischen Klassizismus auf dreiundvierzigtausend Quadratmetern Nutzfläche die Jugendhochschule der FDJ gebaut. Heute stehen fast alle Gebäude leer. Zwar unter Denkmalschutz, aber dem stetigen Verfall preisgegeben. Hier paukten in der Einsamkeit Funktionäre und junge Leute aus aller Welt bis 1990 die Ideale des Sozialismus. Nicht ohne Erfolg. Manch ehemaliger Bogensee-Student bekleidet heute hohe Posten in Regierungen lateinamerikanischer oder afrikanischer Staaten. Die Geheimnisse um das abgelegene Areal beginnen weit vor der DDR. 1936 schenkte die Stadt Berlin ihrem Gauleiter, Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, den Bogensee mit dem umliegenden Gelände und einer bescheidenen Blockhütte zum Geburtstag. Bis 1939 kam dann eine pompöse Villa mit 30 Privaträumen, 40 Dienstzimmern und einem Filmsaal hinzu. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs übernahm im März 1946 die kurz zuvor gegründete FDJ das Gelände. 1951 wurde Herman Henselmann, Architekt der Berliner Stalinallee, mit dem Bau eines riesigen Gebäudekomplexes samt Konferenzräumen, Festsälen und Internatsgebäuden beauftragt. Neben dem ehemaligen Goebbels-Anwesen entstand eine Kleinstadt im pompösen Stalin-Stil – die Jugendhochschule "Wilhelm Pieck". Von hier aus sollte der "Impuls des Sozialismus" auch in die Welt getragen werden. Studenten aus Westeuropa kamen über Kommunistische Parteien nach Bogensee und Befreiungsorganisationen aus Afrika, Lateinamerika und Asien schickten junge Leute oft inkognito in die DDR. Von all dieser Internationalität spürte man in der Umgebung allerdings wenig. Die Jugendhochschule blieb ein abgeriegeltes, verborgenes Gebiet. Geheimgehalten wurde es nicht, aber Begegnungen mit der Außenwelt fanden nur gesteuert, gezielt und organisiert statt. Das Ende der DDR und die Auflösung der FDJ bedeutete auch das Aus für die Jugendhochschule.

Quelle und mehr: http://www.mdr.de/doku/index.html

BG
Martin