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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die spinnen doch...Fledermausbrücken!!!



jollentreiber
28.08.2012, 19:27
Allein in Sachsen-Anhalt sind vier Wildbrücken, sechs Fledermaus-Überführungen, fünf Wild- und Fledermaus-Tunnel und zwölf kombinierte Wild- und Fledermaus-Unterführungen geplant.

Quelle:http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1229852962984

Audiobericht:
http://www.mdr.de/mdr-sachsen-anhalt/audio333910.html


Da bauen die doch tatsächlich für die Flatterviecher 6 (sechs) Brücken an der BAB14. Die Kosten einer Fledermausbrücke belaufen sich auf 2,8 Mio. Euro.

Ich würde meinen, daß das Geld in anderen Bereichen der Gesellschaft besser angelegt wäre.

Armes Deutschland...also mir fehlen die Worte!!


Gruß
Lutz

railroader
28.08.2012, 20:46
Du kennst doch bestimmt die neuen Bambibrücken der A12. Eine Wildbrücke nach der anderen. Und die waren bestimmt auch net billiger.. Keine oder wenige Abfahrten aber Wildbrücken ohne Ende..... Frei nach dem Motto "Karl der Käfer"! Stuttgart ebenso, da wurde der Juchtenkäfer gesichtet ( den gibt es wirklich) únd man dachte seitens der Öko echt dran, dass der Bau wegen dem Vieh eingestellt wird.. Ganze ICE Strecken mussten schon umgeplant werden, weil eine Kröte sonst totgefahren worden wäre...


Bei dem Audiobeitrag war der Kollege vom BUND der Brüller. Natürlich kann es ein Problem geben, wenn Rehe, Hirsche und gleichzeitig der Wolf die Brücke queren müssen. Vielleicht Verkehrschilder aufstellen? Oder ne Trennwand mit Einbahnstrassenschildern ?

OT: wenn man sich im gleichen um den Schutz der Kinder kümmern würde, wäre schon viel geholfen...

Maus
28.08.2012, 21:14
Ich würde meinen, daß das Geld in anderen Bereichen der Gesellschaft besser angelegt wäre.

Armes Deutschland...also mir fehlen die Worte!!

Jolle,
mir scheint Du hast da die Verhältnismäßigkeit ein wenig aus dem Blick verloren. Laut dem verlinkten Artikel wird die geplante AB 1,3 Milliarden Euro kosten, Anteil daran der Naturschutzmaßnahmen 70 Millionen (5,38%).
Ohne die Naturschutzmaßnahmen würde der Bau also "nur noch" 1,23 Milliarden Euro kosten. Man könnte direkt meinen, daß ggf. dieses Geld ebenfalls in anderen Bereichen der Gesellschaft besser angelegt wäre.

Wenn man meint noch eine Autobahn zu benötigen, und diese unbedingt durch ein Flora-Fauna-Schutzareal europäischen Ranges führen zu müssen, dann sollte es ja wohl das mindeste sein, 5% der Bausumme für Naturschutzmaßnahmen mit einzuplanen. In dem Falle eben für die Möglichkeit, daß die eigentlichen Bewohner des Gebietes ohne Todesgefahr auf die andere Seite des Hindernisses wechseln können, das ihren Lebensraum dann durchschneidet.

Gruß M.

railroader
28.08.2012, 21:40
@ Maus,

sicher braucht Deutschland nicht noch ne schöne teure Autobahn. Aber wir leben nun mal in einer mobilen Gesellschaft. Und wir können nun nicht alle mit dem Pferdewagen zu unserer Arbeitsstelle kommen. Tierschutz ist gut und auch wichtig. Doch es muss eine Abwägung geben. Zwischen dem Schutz der Umwelt und der Notwendigkeit der Mobilität der Bürger. Also kann man bloss dem einem Übel ausweichen und dem anderen mehr oder weniger zuzustimmen.

klausm
29.08.2012, 01:02
Bei dem Audiobeitrag war der Kollege vom BUND der Brüller. Natürlich kann es ein Problem geben, wenn Rehe, Hirsche und gleichzeitig der Wolf die Brücke queren müssen. Vielleicht Verkehrschilder aufstellen? Oder ne Trennwand mit Einbahnstrassenschildern ?

Da könnten vielleicht Naturschützer als Einweiser fungieren oder es werden feste Zeitfester pro Tierart vergeben ;)

Spaß Beiseite, das Aufstellen von Wildzäunen Autobahnen finde ich sehr gut und nehme dann auch den Bau von Wildbrücken in Kauf. Ich habe mit dem Auto schon mal ein kapitales Wildschwein "erlegt", das muss ich nicht noch mal haben. Wie man die Fledermäuse aber dazu bewegen will, den Tunnel zu nehmen, ist mir nicht ganz klar, die Verkennen ja schon oft genug die extra für sie geschaffenen "Hotels".

Gruß Klaus

Maus
29.08.2012, 08:52
Wie man die Fledermäuse aber dazu bewegen will, den Tunnel zu nehmen, ist mir nicht ganz klar, die Verkennen ja schon oft genug die extra für sie geschaffenen "Hotels".

Klaus,
in dem Artikel ist ja beschrieben, wie sie sich an bestimmten unregelmäßigen Strukturen orientieren. Das würde dann auf ihrem Radar so aussehen, daß bei so einer bepflanzten Brücke der Wald bzw. eine Schneise weitergeht, während die leere AB als Ende der Welt / leeres Nichts erscheint. Der selbe Effekt würde dann bei Tieffliegern auch bei einem solchen Tunnel eintreten. Also "aha da ist eine Strecke wo man langfliegen kann" im Ggs. zu "hier ist die Welt zuende".

Das klingt für mich schon so, als ob sich da jemand im Vorfeld Gedanken gemacht hat. Bei den Hotels schient es mir des öfteren nur reiner Aktionismus zu sein, einfach irgendein Bauwerk verschließen, ein Fledermausschild ranhängen und erwarten, daß die sich das durchlesen und da einziehen.

Gruß M.

klausm
29.08.2012, 09:09
Das klingt für mich schon so, als ob sich da jemand im Vorfeld Gedanken gemacht hat.

Komisch nur, dass man da früher nicht explizit dran gedacht hat, aber da hatte die Fledermaus wahrscheinlich noch nicht so eine Lobby wie heute ;) Es gibt auch kritische Stimmen von Fachleuten zur Sinnhaftigkeit des Unterfangens:
http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=fledermaustunnel&source=web&cd=5&cad=rja&ved=0CDoQtwIwBA&url=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DNMM 3NO9IHJU&ei=Rcw9UIq0L47IsgaruYDQDw&usg=AFQjCNGr0YXj-Wufq9T8ow2zP1-vk68Dpw
Das sind mir vielleicht ein paar Ignoranten, die Flattermänner :dejection:

Hier auch noch mal ein passender Beitrag:
http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=fledermaustunnel&source=web&cd=5&cad=rja&ved=0CDoQtwIwBA&url=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DNMM 3NO9IHJU&ei=Rcw9UIq0L47IsgaruYDQDw&usg=AFQjCNGr0YXj-Wufq9T8ow2zP1-vk68Dpw

Gruß Klaus

Fotomaus
29.08.2012, 15:30
@ Maus, Du sprichst mir aus der Seele.

jollentreiber
01.09.2012, 06:26
Das klingt für mich schon so, als ob sich da jemand im Vorfeld Gedanken gemacht hat.

Gruß M.

Maus,
"Gedanken gemacht" mag ich ja glauben, aber ob die sich auch ausreichend informiert haben das wage ich jedoch zu bezweifeln.

Schau dir mal diesen Bericht zu Versuchen und Ergebnissen aus Großbritanien an. Unten nur zwei kurze Zitate.

Es wurde also, selbst durch Biologen, schon festgestellt das sich die Flatterviecher u.a. auch nach 9 Jahren nicht an die menschlichen Flughilfen halten.
Die Erkenntnisse bewegen hier aber anscheinend keinen ab es trotzdem zu versuchen. Vieleicht klappt es ja in Deutschland besser.
Meiner Meinung nach verschwendetet Geld.



Fledermausschutz: Brücken über Straßen nutzlos

Die nachtaktiven Tiere ignorieren die Leitsysteme und gehen ihre alten Wege

Fledermausbrücken sollen die Tiere theoretisch sicher über die Straße leiten

Leeds (Großbritannien) - Straßenbau hat heutzutage häufig auch den Naturschutz im Blick. Allerdings bringen nicht alle Maßnahmen den gewünschten Erfolg. Fledermausbrücken etwa, die die nachtaktiven Tiere in sicherer Höhe über Straßen leiten sollen, sind schlicht nutzlos, haben britische Biologen beobachtet. Selbst nach Jahren nehmen die Tiere die sogenannten Querungshilfen nicht an, berichten sie im Fachblatt „PLoS ONE“. Vielmehr ignorieren sie die Leitsysteme und kreuzen die Fahrbahn unbeirrt an gewohnten Stellen – oft in gefährlich niedriger Höhe. .....


....Die Untersuchung von Altringham und Berthinussen stellt nun aber in Frage, ob die Kosten für solche Leitsysteme wirklich gerechtfertigt sind. „Wir müssen Lösungen finden“, so Berthinussen, „die tatsächlich funktionieren, und schlagen vor, dass alternative Ansätze erforscht werden und – ganz wichtig – effektiver getestet werden als dies in der Vergangenheit der Fall war.“

Weiter hier:http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Fledermausschutz__Bruecken_ueber_Strassen_nutzlos1 771015588517.html




Jolle,
mir scheint Du hast da die Verhältnismäßigkeit ein wenig aus dem Blick verloren.



Nö Maus, aus den Augen verloren nicht, nur wenn ich 16,8 Millionen (in diesem Fall 6 Brücken a 2,8 Millionen) für eine Sache ausgebe dessen Zweckhaftigkeit selbst von "normalen" Naturschützern als zweifelhaft angesehen wird, da kommen mir schon einige Zweifel.

Und wenn der Quatsch dann z.B. so endet wie in dem verlinkten Beitrag von @Klausm (http://www.youtube.com/watch?v=NMM3NO9IHJU) dann kann man sich doch wirklich fragen ob das alles noch normal ist.

Gruß und schönes Wochenende
Lutz

Maus
01.09.2012, 07:29
Jolle,
mal abgesehen davon, daß solch ein Drahtgestell doch ein klein wenig was anderes ist als eine bepflanzte Brücke - selbstverständlich reicht es nicht bzw. ist es sinnlos, irgendwas irgendwohin zu stellen, und zu erwarten daß die Tiere ihre Gewohnheiten ändern und sich nach dem Willen des Menschen richten sollen. Genauso sinnlos wie zu erwarten, daß sie sich das Fledermausschild zB an ein einem ausrangierten Trafohaus durchlesen und das dann als Quartier nutzen sollen.



Vielmehr ignorieren sie die Leitsysteme und kreuzen die Fahrbahn unbeirrt an gewohnten Stellen– oft in gefährlich niedriger Höhe. Unterführungen haben eine bessere Chance, genutzt zu werden, sofern sie im gewohnten Flugkorridor und damit auf der bereits bekannten Route liegen.



Selbst neun Jahre nach dem Bau kreuzten die meisten Fledermäuse die Straße entlang ihrer von der Straße unterbrochenen, gewohnten Pendelrouten und dies auf Höhe des Straßenverkehrs.



Immerhin an einer der beobachteten Unterführungen flogen 96 Prozent der Tiere eher durch den Tunnel als die Straße zu kreuzen. Diese Konstruktion lag allerdings exakt in einer der Pendelrouten vor dem Bau von Straße und Unterführung, so dass die Fledermäuse ihre Gewohnheiten nicht ändern mussten.

Die Untersuchung bestätigt also exakt das, was man sich mit etwas Nachdenken auch schon alleine mit Allgemeinbildung und gesundem Menschenverstand hätte denken können. Angebote, die an dem Bedürfnissen der Zielgruppe vorbei entwickelt werden, sind halt in der Regel nicht erfolgreich, und das ist allgemein bekannt, es ist erfahrungsgemäß schon immer so gewesen, und es trifft nicht nur für Fledermäuse zu.

Genauso könnte man versuchen, Raubtieren Mohrrüben als Futter anzubieten, und könnte zu dem selben kurzsichtigen Schluß kommen wie Du falls sie die Mohrrüben ablehnen ("verschwendetes Geld") - oder man stellt sich auf die Bedürfnisse der Zielgruppe ein.

Gruß M.

teebeutel
16.11.2015, 12:44
Maus,
Fledermäuse lesen sich nichts durch,denn sie handeln instinktiv.Werden Bunker oder andere unterirdische Bauwerke verschlossen und kehrt anschließend Ruhe ein,dann bleiben die Tiere auch dort. Von uns möchte auch keiner ständig beim schlafen mit Lampen oder Blitzgeräte gestört werden. Fledermäuse müssen im Winter ihren Stoffwechsel ständig hochfahren wenn sie gestört werden, wie oft das vor dem Besuch einer Anlage bereits geschehen ist oder durch nachfolgende Besucher noch passiert,dass weiß keiner von uns. Das schlafende Tiere einfach erschlagen und an Kabelenden aufgespießt wurden habe ich auch schon erlebt. Es hilft nur der Verschluß einer Anlage um die Tiere zu schützen. Nebenbei schützen die Fledermäuse auch die Bunker, denn viele wären ohne sie schon längst abgerissen worden. Einige verschlossene Bunker sind sogar Privateigentum der Fledermausschützer. Oft werden sie verschenkt oder man muss privates Geld aufbringen. Ins Grundbuch wird Fledermausquartier eingetragen,dann ist eine andere Nutzung nicht mehr möglich. Aktuell werden gerade Stralsunder, Peenemünder, Wolgaster,Neubrandenburger und Rostocker Bunker nur an Fledermausschützer verschenkt oder verkauft.

Büttner
16.11.2015, 14:27
Du scheinst ja vom Fach zu sein, vielleicht kannst du das alles noch etwas näher erläutern. Es kann nicht schaden darüber aufzuklären. Wenn du schreibst "Verschluss", was genau ist damit gemeint. Also bleibt ein Fledermausquartier damit noch begehbar und wenn ja, gibt es hier Regeln bezüglich von möglichen Kontrollgängen? Was genau wir wie kontrolliert, wer macht das? Vielleicht kannst du das näher ausführen.
Welche Vorteile und Nachteile hat es eigentlich wenn Fledermausschützer so ein Bauwerk privat erwerben? Kosten, Rechte und Pflichten beispielsweise. Oder Umwidmungen wenn es nicht angenommen wird. Das ist alles schon interessant.

Frank K.
16.11.2015, 15:30
Zustimmung. Mich würde noch speziell die Anzahl der Bunker pro Fledermaus interessieren. Gab es Fledermäuse schon vor 1990 ? Wenn ja, was haben die da wo wie gemacht, die armen Viecher :disgust:

klausm
16.11.2015, 16:27
Mich würde interessieren, wie schafft man es, dass die Tiere die für sie vorgesehenen Domizile finden? Gerade wenn es zuvor dort keine Fledermäuse gab, ist das doch sicher kein Automatismus. Gibt es, bevor man Fledermausquartiere schafft entsprechende Erhebungen über die Population, oder verfährt man nach dem Prinzip Hoffnung? Werden einmal als Fledermausquartier deklarierte Objekte auch wieder "entwidmet", wenn sich dort partout keine Fledermäuse einfinden wollen?

Gruß Klaus

teebeutel
16.11.2015, 17:19
Nein ich bin nicht vom Fach, ich durfte aber in den letzten jahren dazu lernen. Ich wurde mal erwischt als ich unerlaubt ein Fledermausquartier betreten habe. Die Fledermausleute haben sich dafür eingesetzt,dass ich keine Anzeige wegen Hausfriedensbruch bekommen habe,denn ich hnen konnte glaubhaft versichern,dass ich nicht mit Gewalt eingedrungen bin. Als Strafe musste ich aber helfen zwei Bunkeranlagen zu sichern. Aus zwei sind dann 10 geworden und es hat einen riesigen Spass gemacht. Ich habe Anlagen gesehen, die bist jetzt in noch keinem Forum aufgetaucht sind. Die Bunker werden Fledermausgerecht umgebaut d.h. alle Einbauten,Kabel usw. fliegen raus und es werden dafür spezielle Fledermausverstecke eingebaut. Oft wird der Bunker unter Wasser gesetzt oder es wird die Decke angebohrt. Hauptsache feucht und kühl ist es. Bei besonders heißen Objekten werden oft Kontrolltüren oder Schlösser eingebaut die keine Funktion haben. Die neuen Eingänge werden dann nur Nachts eingebaut oder bei der Kontrolle freigebuddelt. Alle Schlösser kann man nur von innen bedienen d.h. man muss immer irgendwo den Arm reinstecken. CS-Patronen in Röhrchen, die man durchschneiden muss, wenn man an das Schloss zerstören will, werden hin und wieder auch einbaut.Seit letztes Jahr nimmt man Pfefferpatronen. Der Aufwand dient dazu, um Eindringlinge lange genug zu beschäftigen bis der Betreuer und die Polizei vor Ort ist. Ortsansässige Vertrauensleute kontrollieren unregelmäßig von außen und überprüfen ob das Lämpchen von der Alarmanlage noch leuchtet,denn viele Bunker sind neuerdings mit einer GSM-Alarmanlage ausgerüstet. Schlüssel von ca.250 Anlagen haben nur drei Personen im ganzen Land(Stralsund,Greifswald und Neubrandenburg). Der Erwerb eines Bunkers hat keine Vorteile, die Grundsteuer muss alleine bezahlt werden,dann kommt die Haft- und Sicherungspflicht und andere Auflagen. Eigentlich hat man nur Ärger damit. Die Grundsteuer kommt immer wenn man sie nicht gebrauchen kann oder man ist der Willkür der Gemeinde ausgesetzt wenn die Gemeindekasse leer ist. Eine Umwidmung wenn ein Quartier nicht angenommen wurde ist nicht möglich,wenn es einmal als Quartier bei der Umweltbehörde gemeldet wurde,dann ist nichts anderes mehr.Bunker werden nur in der Not gekauft,denn wenn schon Fledermäuse nachgewiesen wurden,dann kann der Eigentümer, meistens ist es die Gemeinde, nichts anderes mehr daraus machen bzw.abreißen. Ein gleichwertiger Ersatz ist meistens zu teuer(wurde aber schon durchgesetzt). Die Bunker bleiben begehbar und werden hauptsächlich im Winter kontrolliert. Es werden dann wie bei einer Inventur die Tiere gezählt und sich gefreut wenn eine neue Art dazu gekommen ist. Die Regel bei der Begehung ist, so störungsarm wie es geht und nur zum wissenschaftlichen Zweck. Die Behörde kann den Betreuer die Betreuung auch entziehen oder einen anderen bestimmen. Auch bei Eigentum !

Maus
16.11.2015, 17:20
Gab es Fledermäuse schon vor 1990 ? Wenn ja, was haben die da wo wie gemacht, die armen Viecher

Ich bin in der Lage glaubhaft zu versichern, daß es auch vor 1990 schon Fledermäuse gab :)

Quelle: Persönliches Antwortschreiben an mich von Prof. Dr. Dathe (Direktor Tierpark Berlin), dem ich als ganz kleine Maus mal einen Brief mit ein paar Fragen zu Fledermäusen (also was die da wo wie machen) geschickt hatte.

Gruß M.

teebeutel
16.11.2015, 20:14
Frank auf so ein Frage habe ich gewartet. Müsste die Frage nicht heißen: „Was haben wir mit dem Lebensraum der Fledermäuse nach 1990 gemacht “ ? Aber du meinst mit Sicherheit, vor 1990 war alles verschlossen und sie konnten die Bunker damals auch nicht nutzen. Diese Vermutung ist falsch. Viele Bunker hatten eine Zwangslüftung und waren nie hermetisch abgedichtet. Hangars z.B. haben super Fledermausquartiere oder Muni-Bunker mit ihren Lüftungsschächten waren immer bzw. meistens für Fledermäuse zugänglich. Bunker sind nur im Winter für die Tiere interessant, im Sommer ist es ihnen dort zu kühl. Vor 1990 waren die Tiere auch nicht wirklich auf Bunker angewiesen. Wer den Zustand der Häuser in der DDR kannte weiß wo die Tiere früher Unterschlupf gefunden haben. Auch die Wälder, wo die Fledermäuse zum größten Teil hingehören, wurden vor 1990 auch nicht so geplündert wie es heute der Fall ist. Der letzte Höhlenbaum wird noch als Brennholz abgesägt. Harvester sägen am Tag einen ganzen Wald weg, die Geräte gibt erst seit den 80er Jahren, in der DDR gab es sie nicht (glaube ich). Die Häuser werden saniert, so soll es sein und gut ist es auch. Aber Plattenbauten mit ihren Fugen können im schlimmsten Fall bis zu 1000 Zwergfledermäuse beherbergen, d.h. meistens sind es Weichchen und die Jungtiere. Dämmplatte am Tag rangeklebt und die Tiere kommen nicht mehr raus. Glaube nicht dass die Tiere bei der Unruhe auf der Baustelle fliehen. Wenn sie dickfällig sind,dann bleiben sie an Ort und Stelle, im vermeintlich sicheren Versteck. Fledermäuse bekommen nur ein junges im Jahr, ganz selten zwei. Die ständig getriebenen, können gar nicht so schnell nachzüchten wie sie getötet werden. Der Aufwand einen Bunker für Fledermäuse zu sichern ist sehr groß. Ich kenne riesige Bunker in denen nur 10 Tiere drin sind, oder eine Anlage mit 13 Bunker mit nur 60 Tiere insgesamt. Hätte nicht ein Bunker gereicht werden sich jetzt viele fragen. Man muss aber wissen, dass nicht alle Fledermausarten die gleichen Ansprüche haben. Jeder Bunker wurde anders eingerichtet und befeuchtet bzw. trocken gelassen. Es gibt auch Arten die niemals einen Bunker nutzen werden.

Um Klaus seine Frage gleich mit zu beantworten. Die Tiere finden nicht,denn sie haben meistens schon gefunden. Wenn Bunkerforscher keine Fledermäuse sehen,dann heißt es nicht sie sind nicht da. Fledermausschützer wissen genau wo und nach was sie suchen müssen,finden sie z.B. nur einen einzigen Kotkrümmel , dann ist es sicher das die Fledermäuse den Bunker kennen und andere Tiere anlocken. Meistens kennen die Fledermausschützer die Bunker schon über längere Jahre und entscheiden Jahr für Jahr neu und nach vorkommenden Arten, die sie im Sommer ermittelt haben, welcher Bunker dringend gesichert werden muss. Dass ein Bunker nicht besiedelt wird kommt ganz selten vor. Ob man ein zuvor deklariertes Fledermausquartier entwidmen kann hat noch keiner ausprobiert. Wenn jemand einen Bunker als Fledermausquartier erwerben und offiziell deklarieren will, dann ist die zuständige Umweltbehörde mit im Boot. Die wird auf eine Eintragung als Quartier ins Grundbuch drängen. Sollte der Besitzer es sich nach einiger Zeit anders überlegen, dann wird drei Sommer und Winter geprüft ob sich wirklich keine Tiere dort befinden. Waren Tiere schon drin,dann geht es ohne gleichwertigen Ersatz nicht. Bunker befinden sich meistens im Außenbereich von Siedlungen,eine Umnutzung ist baurechtlich meistens nicht mehr möglich. Vielleicht kann man darin Fahrad fahren, Holz stapeln oder sich verstecken wenn Bomben fallen. Eine Ertüchtigung für einen eventuellen Krieg,Pilzucht oder Führungen usw. sind allerdings nicht möglich.

martin2
16.11.2015, 20:15
Es kann nicht schaden darüber aufzuklären. Wenn du schreibst "Verschluss", was genau ist damit gemeint. Also bleibt ein Fledermausquartier damit noch begehbar und wenn ja, gibt es hier Regeln bezüglich von möglichen Kontrollgängen? Was genau wir wie kontrolliert, wer macht das? Vielleicht kannst du das näher ausführen.
Vermutlich ist das in jeder Region etwas anders. Hier ist es so, dass die Untere Naturschutzbehörde (Landkreis) mit dem NABU zusammenarbeitet. Soweit es Bunkerfragen betrifft, befragt NABU mich; es geht um den Teilkomplex Sinnhaftigkeit - der von mehreren Faktoren abhängig ist.

(Hier) ist der Verschluss so, dass regelmäßig (mindestens jährlich) Zählungen stattfinden. Besichtigungen (Begehungen) sind nicht von vornherein ausgeschlossen, aber auf bestimmte Zeiten begrenzt: Die Problematik Winterschlaf wurde schon angesprochen.


Mich würde interessieren, wie schafft man es, dass die Tiere die für sie vorgesehenen Domizile finden?
(Hier) gibt es ein Monitoring: Wie viele Fledermäuse halten sich im gegebenen Raum auf? Es wird geschaut, welche Arten das sind; nicht alle Arten mögen Bunkerklima. Wenn es passt, möchte man das einrichten. Es hat aber auch schon den Fall gegeben, dass es für Fledermäuse nicht passte: Da wurde dann nichts getan. Es gab zudem den Fall, dass ich bezüglich eines Fledermausaufkommens gefragt wurde, ob ein Bunkergerücht stimmt (ja, stimmt) und ob es sein kann, dass es dort einen offenen Zugang gibt, der von Fledermäusen genutzt wird (nein, gibt es nicht).

Wie gesagt: Hier. - Schon im nächsten Landkreis kann alles ganz anders sein.

P.S: Auch ich weiß von üblen Gruppenbesichtigungen zu berichten, bei denen ein Held die Lampe mit voller Pulle auf die armen Tierchen richtete - und so überhaupt nicht verstand, warum das keine gute Idee ist.

martin2
16.11.2015, 20:21
Zustimmung. Mich würde noch speziell die Anzahl der Bunker pro Fledermaus interessieren. Gab es Fledermäuse schon vor 1990 ? Wenn ja, was haben die da wo wie gemacht, die armen Viecher :disgust:
Wenn ich dem örtlichen NABU glauben darf, gab es vor der Wende deutlich mehr Fledermäuse als heute. Das sozialistische "mir hatten doch nüscht" in Kleinstädten, Dörfern und Scheunen, Hütten am und im Wald hatten Unmengen an Quartieren. Den einen Teil haben wir saniert, den anderen Teil abgerissen. Und das der Wald gefegt wird, beschreibt mein Vorredner sehr schön.

Frank K.
16.11.2015, 20:58
Das stimmt schon. Und wir hatten damals auch nicht solche schönen Leuchtmittel zum Aufschrecken der armen Viecher. Allerdings haben wir deutlich mehr Krach gemacht. Ich dachte bisher, daß glich sich irgendwie aus.

urian
17.11.2015, 01:51
Meine Persönliche Erfahrung iss aber etwas komisch in dieser Art. Die Flattermäuse suchen sich ihr Domizil selber aus und nicht das was wir ihnen geben wollen. Habe schon so einige Bunker und Keller gesehen mit den Steinen und neee nix zu sehen von den Vampiren (Spaß) .. im Gegenteil ick habe sie gesehen in Sheltern und auch frei zugänglichen Gebäuden hängen sie von der Decke. Meine Meinung iss das die NABU hier recht stark übertreibt.
Schön fand ick das Projekt in Neu Grimmnitz vom Orgel Börli, er hat einen Trafoturm umbauen lassen, den haben sich die Vampire aber schon vorher selbst ausgesucht. Und jetzt hat dort eine geschützte Art ihren 'Schlupf.
Anders hier in EW , da wurden Gebäude abgerissen obwohl bekannt das in den Kellern Unterschlüpfe sind. Und wenn man das meldet wird man noch beschimpft. aber ach egal Geld regiert die Welt.

Schade mein Bild Aug in Aug mit einer Fledi iss wech .. die hat sich schön über den Napf gelegt ...

urian
17.11.2015, 02:04
100800 aug in aug :)

martin2
17.11.2015, 04:28
Meine Meinung iss das die NABU hier recht stark übertreibt.
Ich weiß nicht, ob es "den NABU" so überhaupt gibt.

Vermutlich weißt Du, in welcher Region ich bin. Und Pfarrer Schorlemmer und sowas. Na jedenfalls sind auch die NABU-Leute in meiner Region mit der Wende nicht vom Baum gefallen, die waren schon vorher da. Und eigentlich gestandene Leute.

Irgendwann passierte es: Mein Diensttelefon klingelte: "Herr martin2, hier Behörde. Sie haben doch Bunkerhobby."

Hmmm, ich ging mein Schuldenregister durch: Ich habe nie Müll hinterlassen, nie war irgendwas illegal und [insider-joke: Nie erwischen lassen]. Da kann nichts sein. Was wollen die, doch was übersehen?

"Herr martin2, es ist ja bekannt dass Sie ... Sie kennen doch Bunker [name]." Ähmmm, ja. Kenne ich. Leugnen geht schlecht, mein Interesse ist öffentlich.

"Herr martin2, der NABU prüft Fledermausprojekte. Ob Sie mal bitte was zum Bunker [name] sagen können?"

In der weiteren Folge habe ich in einer internen Veranstaltung einen Vortrag über diesen Bunker gehalten, da war dann auch ein 3D-Bild dieses Bunkers, was ansonsten niemand sah, war nie öffentlich. Und dann wurden Parameter diskutiert. - Die Entscheidung selbst war natürlich ohne mich, Monate später. (Abgelehnt, da untauglich.)

Warum erzähle ich das überhaupt?
Wir müssen uns mal abgewöhnen, uns selbst als Mittelpunkt der Welt zu sehen - und alle anderen als Feinde. Alle anderen haben genau so legitime Interessen wie wir.

Vermutlich wird es beim NABU auch Eiferer geben. Aber mal ehrlich - in unseren Reihen etwa nicht?

Aschekater
17.11.2015, 08:43
Vielleicht könnt ihr euch ja mal zum gemeinsamen Fledermausfüttern treffen ? Da kann der eine bestimmt noch , von anderen lernen .

Aschekater
17.11.2015, 08:45
100800 aug in aug :)

Frißt die Maus das Katzenfutter , oder ist sie , das Katzenfutter ?

loewy
17.11.2015, 09:17
Hallo
es spricht ja nichts gegen den Schutz von Fledermäusen, aber es gibt eine gehörige Portion Amtsdünkel . Bei uns hier in Bad Segeberg hat die Fledermaus den Autobahnbau gestoppt. Weiterhin haben die Beamten wieder mal übers Ziel hinausgeschossen schaut Euch mal das Viedo an, es ist kaum zu glauben! :https://www.youtube.com/watch?v=6y_0_uaa8Uo Das geht schon über den normalen Tierschutz hinaus. Vieleicht werden dann im Anschluss drei Tunnel gebaut einer für die Fledermäuse, einer für das Wild mit Verbotsschild für die Feuerwehr und der letzte für die Feuerwehr mit Verbotsschildern für den Wildtierbestand und die Fledermäuse:triumphant:

urian
17.11.2015, 16:26
Frißt die Maus das Katzenfutter , oder ist sie , das Katzenfutter ?

Weder noch. Die Maus beschützt ihr Futter ;) (Ick könnte es ihr ja klauen)
Aufgenommen im Zoo Eberswalde , da kommste ganz nah rann :)

Fotomaus
18.11.2015, 00:19
Man kann grüne Brücken bauen, wo die Tiere die Autobahn überqueren können, man kann sich die Tiere aber auch in der Windschutzscheibe vorstellen.

Thilo
13.06.2016, 15:22
Hallo
es spricht ja nichts gegen den Schutz von Fledermäusen, aber es gibt eine gehörige Portion Amtsdünkel . Bei uns hier in Bad Segeberg hat die Fledermaus den Autobahnbau gestoppt. Weiterhin haben die Beamten wieder mal übers Ziel hinausgeschossen schaut Euch mal das Viedo an, es ist kaum zu glauben! :https://www.youtube.com/watch?v=6y_0_uaa8Uo Das geht schon über den normalen Tierschutz hinaus. Vieleicht werden dann im Anschluss drei Tunnel gebaut einer für die Fledermäuse, einer für das Wild mit Verbotsschild für die Feuerwehr und der letzte für die Feuerwehr mit Verbotsschildern für den Wildtierbestand und die Fledermäuse:triumphant:

Die NDR Sendung ist klasse, da habe ich schon so einige kuriose Geschichten gesehen. Aber ein unnel für Fledermäuse und dann auch noch mit einem Zaun davor, damit ihn andere Tiere nicht nutzen? Wahrscheinlich bauen sie dann eine Brücke für die anderen Tiere oben drüber. Da kann man manchmal nur den Kopf schütteln. Was passiert, wenn der Wald abbrennt und dass die Fledermäuse ihr Zuhause verlieren, weil die Feuerwehr dann nicht löschen kann, daran hat wohl keiner im Amtsbüro gedacht :D Grüße, Thilo