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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eure Erfahrung mit Archivmitarbeitern ?



Held-der-Arbeit
04.08.2008, 20:32
Hallo,
da man als Bunkerforscher und Hobbyhistoriker ja nicht nur in alten Gemäuern, Bunkern und ähnlichen Anlagen unterwegs ist sondern sich auch für deren geschichtliche Hintergründe interressiert ist es von Zeit zu Zeit angebracht sich auch mal durch Archive zu wühlen.
Nu habe ich die Erfahrung gemacht das es teilweise mit Kompetenz mancher Archivmitarbeiter nicht weit bestellt. Sie vermittelten mir eher den Eindruck totaler Unlust nach dem Motto "mich kotzt das alles hier an aber ich muss das hier machen".
So ist es mir z.B. in Halle und Cottbus gegangen. Wenn ich da nicht auf mein Anliegen gepocht hätte wäre ich nie zu Ziel gekommen. Solchen Leuten kann man meiner Meinung nur die falsche Berufswahl bescheinigen.
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht ?

martin2
04.08.2008, 22:31
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht ?
Durchaus.

Von falscher Berufswahl möchte ich aber nicht sprechen. Ich denke eher,
dass Du eine falsche Vorstellung von Archivarbeit und deren Berufsethos
hast. Vielleicht hilft der folgende Absatz zum Verständnis.

Staatliche Archive arbeiten auf der Basis von Archivgesetzen.
Im Vordergrund steht das Bewahren der Archivalien.

Dies bedeutet dann im Berufsbild auch
* Archivalien bewerten (Aussonderung?)
* Archivalien kategorisieren, katalogisieren, nachvollziehbar ablegen
* Archivalien mikroverfilmen (auch heute sehr wichtig)
* Archivalien digitalisieren
* Findbücher schreiben

Ein Nutzer des Archivs ist (bezogen auf die Archivaufgaben) völlig
kontraproduktiv: Er stört den (vgl oben) Dienstbetrieb, schrittweise
(Handschweiß, Blätter umblättern) zerstören die Nutzer auch das
Archivgut. - Nutzer sind aus Archivsicht Ärgernisse - stehen aber
in den Archivgesetzen halt drin.

Wenn Du über die Inkompetenz der Archivmitarbeiter (sicher zu recht)
schimpfst, solltest Du aber auch die andere Seite sehen: Die Archiv-
mitarbeiter haben mehrheitlich mit Nutzern zu tun, die nicht den kleinsten
Schimmer davon haben wie Archive arbeiten. Erschwerend kommt hinzu,
dass als Nutzer nicht wenige Spinner auftauchen: Frage mal Mitarbeiter
der uns interessierenden Archive: Die können ein Lied singen von Leuten,
die unterirdische Autobahnen suchen und Hitlers Goldschätze, vom
Bernsteinzimmer mal ganz zu schweigen.

Also wenn man die andere Seite höflich und kompetent behandelt,
kommt man schon sehr weit. - Nicht zu verhehlen ist allerdings, dass
es dort auch Vollpfosten gibt ... mir sind auch schon welche begegnet.
Aber in welcher Berufsgruppe ist das anders?

Hoffe geholfen zu haben,
Martin

strada600
04.08.2008, 22:56
Komisch! Mein Beitrag ist weg!

Wurde der etwa gelöscht oder wat?

martin2
04.08.2008, 23:08
Als ich meinen Beitrag schrieb - sah ich nur den Opener-Beitrag.

Ist es ggf möglich, dass Du versehentlich auf "Vorschau" geklickt
hast? Das sieht dann auch so schick aus wie veröffentlicht - ist
es aber leider nicht.

Martin

mudsch
05.08.2008, 00:38
Oh ja ich weis wovon ihr Redet

Meine Mama ist Diplom-Dokumentalist

das wird nach 40 Jahren im Beruf leicht krankhaft
aber nix gegen meine Mama;-)

mudsch

fulcrum
05.08.2008, 08:52
Komisch! Mein Beitrag ist weg! Wurde der etwa gelöscht oder wat?


Nein, wurde er nicht Strada. Schreib den Beitrag einfach nochmal ( bitte ), ok?!


MODERATOR

544willy
08.08.2008, 15:34
nun ja bei beamten und angestellten wird es schon hin und wieder als stoerend empfunden wenn etwas forderndendes auf dem abstreicher steht!
dieser stoerung begegnet man mit charme. nicht jeder tag ist fuer den bediensteten oder soldempfaenger (bemater) gleich schoen. er/sie/es ist auch nur mensch.
bei besonderer hartleibigkeit hilft immer eine......
dienst aufsichtsbeschwerde wegen "unterlassung"
oder der direrkte anruf bei der kommunalaufsicht.

ich hatte bislang immer mit emotionslosen angestellten und beamten bei archivrecherchen zu tun.

grusz willy

p.s. sollte es wirklich anders sein? wenn ja... gibt man den angestellten/beambten ins soziale netz.... deutschland hat ja so etwas!

martin2
08.08.2008, 22:49
bei besonderer hartleibigkeit hilft immer eine......
dienst aufsichtsbeschwerde wegen "unterlassung"
oder der direrkte anruf bei der kommunalaufsicht.
Von beiden Möglichkeiten rate ich dringend ab.

1) Dienstaufsichtsbeschwerde:
Das sind die drei "F": Formlos, Fristlos, Folgenlos.

2) Beschwerde bei Kommunalaufsicht:
Die haben auch wichtigeres zu tun, als sich mit dem Stadtarchiv Trullingen rumzuärgern.

Beide vorgeschlagenen Versionen haben folgenden Nachteil: Man verhaut genau den,
vom dem man eigentlich was will - keine gute Idee. Es ist doch verständlich, dass
der Arbeitseifer nachlässt, wenn man vom "Antragsteller" grad eine übergebügelt
bekam. Machen wir uns da mal nix vor: Wir würden da auch nicht anders reagieren.

Mit zuvorkommender Höflichkeit sowie dem Erklären des Grundes der gewünschten
Einsichtnahme kommt man sehr weit. Notfalls kann man versuchen, an einen anderen
Sachbearbeiter zu kommen.

Martin

frankk
08.08.2008, 23:51
Manchmal hilft auch ein Päckchen Kaffee. Also ich habe auch unterschiedliche Erfahrungen gemacht, was ich aber dem Verständnis der Mitarbeiter für mein Anliegen zurechne. Und der Art, wie eben Anfragen bearbeitet werden und was wirklich vorhanden ist.
Mit Freundlichkeit und einem gewissen Vorwissen kommt man eigentlich immer weiter. So nach dem Motto" ich weiß da war, würde gerne genauer erfahren" o.ä
Meine Erfahrung.

Michaela
09.08.2008, 12:58
Hallo,

ich forsche ja nun seit fast 30 Jahren in den unterschiedlichen Archiven und das auch im Ausland ( Kirche, Stadt,Land ) und natürlich gibt es auch Mitarbeiter, die einfach keine Lust haben aber die Mehrheit ist sehr freundlich und hilfsbereit.
Das Problem, das ich auch beruflich oft feststellen muß, ist die Fragestellung : "haben Sie irgendwas zu,.... " und das oft, ohne mal selbst in die Findbücher oder Karten zu sehen oder gar die Benutzerhinweise zu lesen.
Eine Ausnahme machen die Kirchen. Dort findet man sehr selten Mitarbeiter die Interesse zeigen zumal sie meist ehrenamtlich tätig sind und auch nur 1-2 Tage in der Woche.
Grundsätzlich gilt natürlich für alle Berufe und Mitarbeiter : Es gibt "solche" und "andere" aber eine gute Vorbereitung hilft, wenn man auf solche Mitarbeiter trifft.

Gruß
Michi

Herr Auer
11.08.2008, 18:32
Moin !
Eine ähnlich Erfahrung habe ich auch gemacht.....
Ein Archiv ist nunmal eine Behörde -
okay, hat Nachteile - aber auch Vorteile !!
Wenn man mit dem Spruch kommt
"ich hätte da gerne mal ´ne Akte, bitte"
ist das selbstverständlich blödsinnig.
Erinnert an die Nachfrage "ich suche da so ein Buch",
mitten in einer Buchhandlung mit ca. 30.000 Titeln ......
Der eindeutige Vorteil ist die Archivordnung,
da steht es genau drin, wie alle ticken und wie sie worauf reagieren müßen.
Wenn man sich an diese Spielregeln hält, kommt
man wunderbar mit den Kollegen aus.
Und wenn man sich vorher auch noch intensiv mit den
Findmitteln/Katalogen beschäftigt hat und die entsprechenden
Sachen mit den entsprechenden Angaben bestellt.
wird man seine helle Freude haben !
Allerdings kommt es natürlich auch noch auf den eigenen
Auftritt an, offensichtlich auffällige Leute sind generell suspekt !
Der Tarnanzug oder die Springerstiefel sollten besser im Schrank bleiben.
Gruß aus HH

Pionier
21.11.2008, 22:39
Ich habe sowas noch nie erlebt. Wie man in den Wald reinschreit, so brüllt es einen entgegen.
Auch wenn man einen schlechten Tag hat, es gibt absolut keinen Grund dazu das an Kunden auszulassen.So viel Erziehung und Selbsbeherrschung sollte doch wohl jeder haben!

Gruß aus der Mark!

Andreas