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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gas-Kampfstoffe WK2



Klondike
04.10.2007, 16:54
hallo,
an dieser Stelle möchte ich mal fragen....

Bei allen Schutz und Vorbeugemaßnahmen kam es (meines Wissens) im 2 WK nie zu einem Einsatz von Gas bzw. Biologischen-Waffen.
Es haben sich laut Literatur "beide" Seiten immer gegen diese Art der Kampfstoffe entschieden. Letzter Einsatz von dem Zeug war WK1 etwa 1914 /1915....

Oder nicht???

Grüße
Thomas

tambour
04.10.2007, 17:03
Hallo Thomas,


Bei allen Schutz und Vorbeugemaßnahmen kam es (meines Wissens) im 2 WK nie zu einem Einsatz von Gas bzw. Biologischen-Waffen.

was würdest Du unter Schutz- und Vorbeugemaßnahmen verstehen?


Es haben sich laut Literatur "beide" Seiten immer gegen diese Art der Kampfstoffe entschieden. Letzter Einsatz von dem Zeug war WK1 etwa 1914 /1915....
Oder nicht???

Hast Du gelesen "Der lautlose Tod" von O. Gröhler?
In Kampfhandlungen sind meines Wissens keine Massenvernichtungswaffen eingesetzt worden, wenn man Flammenwerfer und Brandbomben da nicht einordnen will. Aber wo ist der der massenhafte Einsatz von Zyklon B und anderen Giften in Konzentrationslagern durch die Nazis einzuordnen? Zeitlich gehört er dorthin.
MfG

Ralfi
04.10.2007, 18:38
Im Seewerk in Falkenhagen sollten N-Stoff (http://translate.google.com/translate?hl=de&sl=en&u=http://en.wikipedia.org/wiki/Chlorine_trifluoride&sa=X&oi=translate&resnum=5&ct=result&prev=/search%3Fq%3DN-Stoff%26hl%3Dde%26sa%3DG) und Sarin (http://de.wikipedia.org/wiki/Sarin) hergestellt werden und mit Langstreckenraketen (V10=10.000 Km) bis nach New York gefeuert werden...
Wie gesagt das war in Planung und hätte nur noch ein halbes Jahr bis zur "Serienreife" gebraucht...

Klondike
04.10.2007, 18:44
@tambour

der Ansatz ist natürlich absolut richtig(Zyklon)

Schutzmassnamen: z.B. Kasmasken, bzw. Gummidichtung bei LS-Türen

Grüße

@Ralfi: yap, andre Mittel waren auch schon vor dem Krieg "fertig" wurden aber nicht eingesetzt...wohin meine Frage führt

helge
04.10.2007, 19:19
Hallo Klondike !

Auch meines Wissens nach wurden C/B Kampfstoffe nie auf den Schlachtfeldern im WK 2 eingesetzt.

Zu groß war die Angst vor einem Gegenschlag.
Vor Verdun haben abertausende Soldaten den Einsatz mit Leben/Gesundheit bezahlt.In einem sinnlosem Stellungskrieg.

Sicher gab es im 3 Reich Überlegungen/Forschungen die aber zum Glück nie fertiggestellt wurden zum Fronteinsatz.

Gruß Helge.

rolfderwolf
04.10.2007, 19:35
Muß ich mal leicht widersprechen. Im Seewerk wurde sehr wohl N-Stoff hergestellt. Die Produktion lief. Nur ist N-Stoff wohl eher nicht als Massenvernichtungsmittel anzusehen. Die geplante Produktion von Giftgasen auf dem Gelände des Seewerkes ist glücklicherweise nie in Gang gekommen. Unabhängig davon sind im WK II bei Kampfhandlungen einige wenige Male Giftgase zum Einsatz gekommen. Diese sind aber von einzelnen Offizieren ohne Befehl "von oben" ausgelöst worden und von der jeweiligen Gegenseite glücklicherweise nicht entsprechend beantwortet worden.
Glück Auf!
rolfderwolf

tambour
04.10.2007, 19:46
Hallo rolfderwolf,

Muß ich mal leicht widersprechen. Im Seewerk wurde sehr wohl N-Stoff hergestellt. Die Produktion lief. Nur ist N-Stoff wohl eher nicht als Massenvernichtungsmittel anzusehen.
Genau, es war Tri-Fluor-Chlorid, eine äußerst reaktive Chemikalie, die zunächst als Sprengstoff und später als Treibstoff für Torpedos gedacht war. (siehe auch Kemnitz/Rentsch:"Führungskomplex Falkenhagen", edition vimudeap 2005)


Die geplante Produktion von Giftgasen auf dem Gelände des Seewerkes ist glücklicherweise nie in Gang gekommen.
Es heißt, daß die Anlagen für die Produktion des Nervengases Sarin wohl noch betriebsbereit geworden, aber nicht mehr zum Produzieren gekommen sind - zum Glück!

Unabhängig davon sind im WK II bei Kampfhandlungen einige wenige Male Giftgase zum Einsatz gekommen. Diese sind aber von einzelnen Offizieren ohne Befehl "von oben" ausgelöst worden und von der jeweiligen Gegenseite glücklicherweise nicht entsprechend beantwortet worden.

Hast Du da ein paar Einzelheiten?
MfG

jürgen
04.10.2007, 19:47
@Klondike,
da der selbsternante Feldherr im WK-I am eigenem Leib erfahren durfte was das für ein Zeug ist,wurde es nicht eingesetzt.
Zu groß war die Angst der Vergeltung.
Es gab zum Beginn der Angriffe auf London auf Seiten der Engländer die kurze Überlegung solche Mittel gegen deutsche Großstädte einzusetzen.

Da das Mißtrauen doch vorhanden war,wurde aber auf einen ausreichenden Gasschutz der Truppen und in Bunkeranlagen wert drauf gelegt.

Mit B/C-Waffen fällt mir auf die Schnelle nur ein Attentat durch Spezialeinheiten der Engländer auf einen hochrangigen Offizier der Deutschen ein.
Dort sind Milzbranderreger zum Einsatz gekommen.

Gruß Jürgen


Kleiner Nachtrag:

Schon im Mittelalter haben sich die Völker mit Milzbrand bekämpft. Man praktizierte dies indem man verseuchte Tierkadaver über die Burgmauern warf und wartete, bis die Bevölkerung gestorben war. Die Milzbranderreger wurden jedoch erst 1849 in Schafsblut entdeckt. Robert Koch untersuchte die Erreger 1877 und beschrieb sie genau.

Schon im Ersten Weltkrieg wurde von deutschen Wissenschaftlern mit Milzbrand experimentiert, sie verseuchten Tiere im Balkan. Das Programm wurde jedoch wegen geringen Erfolges wieder eingestellt.

Die Kaiserlichen Streitkräfte Japans setzten Anthrax 1932 in der Mandschurei ein. Bei einem „Forschungsprojekt” der Einheit 731 wurden circa 3000 Kriegsgefangene als „Versuchsobjekte” missbraucht. Auch andere Kampfstoffe wurden getestet.

Im Zweiten Weltkrieg entwickelte Frankreich einen Milzbranderreger. Dieser wurde beim Einmarsch der deutschen Truppen entdeckt und deutsche Wissenschaftler experimentierten mit dem Erreger, obwohl Hitler es ausdrücklich verbot. Angeblich sollen die USA während des Zweiten Weltkrieges an Milzbrandbomben gearbeitet haben. 1942 hat Großbritannien auf der Insel Guida beziehungsweise Gruinard Island Milzbranderreger getestet, die Insel war fast fünfzig Jahre lang Sperrgebiet. Zwar wurde die Insel in den 1980er Jahren mit 200 Tonnen Formaldehyd entseucht, es besteht aber noch Kritik an der Gründlichkeit und Wirksamkeit dieser Maßnahme.

Textquelle: wikipedia.de

demo01
04.10.2007, 19:57
@all:

Ich kann zu diesem Thema ebenfalls nur empfehlen, das Buch "Der lautlose Tod" von O. Gröhler zu lesen!

Planungen von deutscher Seite gab es demnach einige! Und wenn ich es richtig gelesen habe, beschreibt der Autor einige Giftgaseinsätze während des 2. WK in Rußland, wenn auch einige nur an Indizien:

So soll es am 5. Mai 1942 auf der Krim dazu gekommen sein, auch wenn die dt. Propaganda verharmlosend von bisher unbekannten "neuen Pulversorten" und "harmlosen, einschläfernden Nervengasen" sprach. Zumindest die Russen und die Engländer sahen es als erwiesen an und ließen sich nur schwer davon abbringen, dies entspr. zu vergelten.

Das nächste Mal war es ab dem 25. Mai 1942, als auf der Halbinsel Kertsch, zerschlagene sowjet. Verbände, die in Steinbrüchen Zuflucht gesucht hatten, mit Kampfstoffen "ausgeräuchert" wurden - Folge: ca. 3000 Tote! Wiederholung des Ganzen am selben Ort im Herbst 1943 gegen Partisanen. Für diesen Einsatz wurde der damalige Oberbefehlshaber der 17. Armee, Jaenecke, nach dem Krieg sogar zum Tode verurteilt (später zu 25 Jahren Zwangsarbeit abgeändert)!

demo01

burk
04.10.2007, 20:18
Hallo,

mir ist nur folgendes bekannt:

Es gab entsprechende Produktionsanlagen für C-Kampfstoffe ( Tabun, Sarin, Loste ) aber zu einem Einsatz dieser Waffen als solche gab es nicht.

siehe hierzu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Chemische_Waffe
keine Garantie das das vollständig ist.

BURK

Hermann
05.10.2007, 09:20
Burk, Du hast schon Recht,
man sollte vielleicht (meine Auffassung) trennen zwischen dem gezielten Kampfeinsatz durch die Truppen und dem ungewollten Freisetzen durch / oder bei Kampfhandlungen. Ich denke vorallem an Freisetzungen an Orten, wo die soggenannte KS Munition zusammengezogen wurde.
Zum Gesamtproblem gibt es neben Gröhler, der ja leider schon Tod ist ein weiteres Buch in dem auch diese Problematik (Fernschreiben, Aktionen der lagerung...) genau beschrieben ist.
"Der Krieg der nicht stattfand" von Gellermann.
In meiner Erinnerung kam es bei LOSSA zu so einer Freisetzung, die dazu führte, daß man Teile des Geländes nach 1990 sperrte, weil noch immer Rückstände gefunden wurden. Vermutlich ist aucgh bei den Sprengungen der sowj. Skr in anderen Munas einiges in die Wälder geschleudert worden, z.B. in Ueckermünde Area. Alles bei gellermann aufgelistet, samt Auszügen der Fernschreiben, ja auf alles zu achten dass es nicht zu einer Freisetzung (1945) kommt, die die Gegenseite als kriegerischen Akt ummünzen könnte...
Grüsse Hermann

Klondike
05.10.2007, 16:37
@all

ich danke allen Schreibern für ihre Zeit diese Info´s zu posten!!

Besten Dank
Thomas

burk
05.10.2007, 17:04
Hallo,

... da fällt mir ein, das in der Zitadelle Spandau in den dreißigern das Heeresgasschutzlaboratorium beherrbergt war. Dort sollen in Laboratorien neben Schutzausrüstung auch an Giften geforscht worden sein. Mehr dazu gibt es im Museum vor ort. Genau bekomme ich das nicht mehr zusammen.

BURK

Hermann
05.10.2007, 17:52
Thomas, die Forschungen Gellermanns zu diesem Thema und den Hintergrundangaben zum Sachthema aus der Zeit kurz vor Torschluß 1945 sind einige der besten die ich kenne, wobei in den Archiven der KWG (Kaiser Willhelm-Gesellschaft), heute MPI für Wissenschaftsgeschichte, noch etliche weitere gute Werke dazu stehen, die Forschungen der KWG zu diesem Thema waren sehr umfangreich.
Gellermann schreibt für den fachlich versierten Normalbürger.
Wesentlich detaillierter, vorallem mit der umfassenden Quellelage schrieb:
Florian Schmaltz
Kamstofforschung im nationalsozialismus, 2 Teile,
Zur Kooperation von KW Instituten , Militär und Industrie.
Sehr aufschlußreich was er noch zu FAHA ausgegraben hat.
Sehr teure Kleinauflage, in meiner Erinnerung seine Dissertation. Es gibt in Deutschland aus bestimmten Gründen nur ganz wenig Leute die es bisher schafften in die Archive der IG Farben vorzudringen. Meines Wissens hatte Dr. Hoffmann aus FAHA bei seinen Recherchen ein okument ausgegraben und nach dem er nach einer besseren Kopie in London anfragte wurde dieses für die nächsten ahre als Geheim eingestuft. Aus besimmten Gründen mauern eine ganze Reihe Insider und Archive erheblich.
Meine private vermutung ist, man will nicht offenlegen wie gut man die Forschungsergebnisse der bösen Deutschen für das eigene Vorankommen nach 1945 gebrauchen konnte..
Schmitz ist aber was detailtiefe und Umfang betrifft, das beste was ich bis vor kurzem gelesen habe.
Grüsse Hermann

tambour
05.10.2007, 19:35
@all
ich danke allen Schreibern für ihre Zeit diese Info´s zu posten!!
Besten Dank
Thomas

Da hast Du richtig was Gutes angeschoben;-)!
Wie lautet Deine nächste Frage?
MfG