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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : MDR-Mediathek: "Echt" - Operation "Hamster" (Spionageabwehr MfS)



Goony
22.02.2018, 08:33
Der MDR hat am 20.02.2018 um 21:15 Uhr einen sehr interessanten Beitrag zur MfS-Spionageabwehr-Operation "Hamster" gesendet, der in der Mediathek unter folgendem Link zu sehen ist:
https://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/c/video-177054.html

Auf der Homepage der Sendung "Echt" gibt es weitere Interviews mit Militärhistorikern der Bundeswehr:
https://www.mdr.de/echt/echt-operation-hamster-100.html


Grüße
Goony

Andi39GE
23.02.2018, 20:22
Sehr schön gefunden.

Danke!

Klondike
24.02.2018, 16:42
sehr interessante Geschichte, und echt bewundernswert das die Jungs diese Kiste dann wirklich gefunden haben. Mich verwirrt nur in einem Beitrag in diesem Zusammenhang, war im Berliner Kurier, das die Signale ins Weltall gesendet wurden, mit Richtung Weltall kann ich leben.... bitte verbessert mich, denke eher an Funk zu Flugzeug Kommunikation. Oder doch Sat? Wer weiß etwas

https://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez---stadt/heisse-jagd-im-kalten-krieg-wie-es-zwischen-ost--und-westspionen-funkte-29723420

Grüße

kallepirna
24.02.2018, 18:02
Nehme einen Satelliten und der fliegt im Weltall. mfg.kallepirna

martin2
24.02.2018, 20:07
bitte verbessert mich, denke eher an Funk zu Flugzeug Kommunikation. Oder doch Sat? Wer weiß etwas
Im Beitrag sowie im Nachbarforum NVA spricht man von SAT. Im Nachbarforum ist Volker L. (Relais) zu Gange, er war einer der MfS-Interviewpartner der Doku. Du könntest ihn direkt fragen.

Du zeigst einen schönen Widerspruch auf - über den beginnt das Nachbarforum auch zu stolpern: Zu der Zeit hatten die Amerikaner geostationäre S"Spionage"-Satelliten im Einsatz, es hätte des ganzen Zaubers um die Programmzeiten gar nicht bedurft.

Nun gab es aber diese Programmzeiten, noch dazu fest eingestellt. Im Sinne des Aufklärungsziels (wir wollen großen Abmarsch erkennen) ist das ja eigentlich kontraproduktiv - nach drei Tagen kommt die Meldung reichlich spät, da steht der WV vielleicht schon bei Hannover ...

Insoweit kommen als Empfänger tatsächlich Flugzeug oder sogar PKW in Frage.

Klondike
25.02.2018, 10:17
Es gibt ja auch zu klären ob dieser "Schuhkarton mit Batterie" leistungsmässig in der Lage gewesen wäre so stark zu senden, mehr als 1x wenn überhaupt, das das Signal einen Satelliten erreicht. Jedes Minihandy kann Sat-Infos empfangen ja, senden dorthin ist ein ganz anderes Thema. Auch bei Minidaten Mengen, ohne Schüssel? Selbst das dsl via Sat ist auch heute noch immer nur Daten empfangen, das Kommando zeig mir Seite xyz geht nicht über den Sat, also Datenempfang und/oder Daten senden an einen Sat ist mit dem Karton nicht möglich. Plus, freie Sicht nach oben, kein Blätter ect die auf die Antenne fallen, ähm Schwarzkittelviehzeug das neugierig die Kiste umpflügt? Und dann hat das Teil ja auch noch in 360 Grad gefunkt,Leistungsverschwendung wenns denn zu ET gehen soll, ich glaube hier ist noch viel ungesagt....Bitte denkt daran welcher Aufwand für eine Satellitenkommunikation auch heute noch erforderlich ist.
Das später für den Markt verfügbare Iridium Netzerk wäre noch eine Option, kam aber erst 98, und ob dafür die Antennen der Kiste ausreichend gewesen wäre, glaube ich nicht. Plus Batterielaufzeit Problem.

Bin aber lernwillig.
Ich bin in dem anderen Forum nicht angemeldet...

Grüsse

Sven K.
25.02.2018, 15:43
Hast du auch mal an Satellitentelefone gedacht?

Gruß Sven!

Frank K.
25.02.2018, 17:24
Es gibt ja auch zu klären ob dieser "Schuhkarton mit Batterie" leistungsmässig in der Lage gewesen wäre so stark zu senden, mehr als 1x wenn überhaupt, das das Signal einen Satelliten erreicht.

Am 27.02.89 schrieb Generalmajor Männchen, Leiter der HA III, ein internes Memo an die HA III des MfS (Quelle BStU) mit Bezug zu der in der Sendung thematisierten Sonde das diese ihre Informationen über ‚den US-Spionagesatelliten »FleetSatCom« auf dem Funkwege weitergibt‘.

FleetSatCom ‚Fleet Satellite Communications System‘ (hat eine eigene Wiki-Seite) war ein ganzes Satelliten-Kommunikationssystem der US Navy, das für UHF-Funkverbindungen (also auch der Funkfrequenz der Sonde) zwischen Schiffen, U-Booten, Flugzeugen und Bodenstationen der amerikanischen Marine genutzt wurde. Das System war ab 1981 einsatzbereit, die SAT liefen auf polumlaufenden Bahnen geringer Höhe.

Funk-Technisch war es ein Repeater gesteuertes System. Ein Repeater empfängt Sendungen und leitet sie unmittelbar und unverändert auf einer anderen Frequenz (meist leicht daneben) weiter, hier also nach unten. Das bedeutet das ein möglicher Sender / Empfänger von Nachrichten sich im aktuellen Erfassungsbereich eines der SAT’s befinden mußte. Als Bodenstationen wurden Systeme mit größeren Antennen eingesetzt, die Empfangstransponder verfügten am SAT selbst über größere Antennen. Das Ziel war ohne großen Aufwand von mobilen Einrichten mit einer Kommandobehörde kommunizieren zu können. Das hat offenbar die Sonde auch gemacht, das war sicherlich bzgl Sendeleistung auf den Grenzbereich des damals Machbaren durchgerechnet.

Den möglichen Empfangsbereich für Sendungen eines Satelliten gebe ich für damals mit einem Radius von ~700 bis 1000 km im aktuellen Ausleuchtbereich an. Das reicht bei den Verhältnissen hier in Europa völlig aus. Man kam also so max 1000 km hinter den ‚eisernen Vorhang‘, wenn man wollte.


Nun gab es aber diese Programmzeiten, noch dazu fest eingestellt. Im Sinne des Aufklärungsziels (wir wollen großen Abmarsch erkennen) ist das ja eigentlich kontraproduktiv ...

Das sehe ich auch sehr skeptisch, vllt war es auch für was ganz Anderes bestimmt ? Möglich ist das die Sonden auch einen Empfangsteil hatten und bei Anforderung (über den beschriebenen Weg) ihre Meldung absetzten. Ich gehe davon aus das daß MfS dies viel besser wusste und die zugehörigen SAT’s (wahrscheinlich sowieso auch ohne die Sondenproblematik) abgehört hatte (Stichwort Biesenthal). Nur wurden mE dazu bisher keine Unterlagen aufgefunden, ergo ist dazu nichts bekannt.

Möglich ist letztendlich auch das dies eine großangelegte Aktion der Gegenseite war um die Fähigkeiten unserer Einrichtungen zu fordern und zu testen. Strategische Info’s waren es mE nicht, also Transport-Bewegungen an Lagern zu überwachen. Dies ließe sich viel einfacher anders realisieren. Auch wurden ja nicht nur in der DDR solche Sonden platziert, fraglich ist auch ob die 2 (eigentlich 3) aufgefundenen Sonden auch alle real Platzierten waren.

Grüße Frank

PS @Sven: das von Thomas angeführte Iridium Netzwerk ist eines für SAT-Telefone. ME das Erste und Einzigste.

railroader
25.02.2018, 19:22
ich fand die Sendung sehr interessant, obwohl ich keine Ahnung von der Materie habe. Was mich erstaunt ist, der Datendurchsatz. Wie oder wie viele Daten konnte man in 300 ms senden?

Gruß Dirk

Klondike
26.02.2018, 07:45
Danke @Frank K. auf eine solche Erklärung hatte ich gehofft, klasse!

Frank K.
26.02.2018, 08:43
Was mich erstaunt ist, der Datendurchsatz. Wie oder wie viele Daten konnte man in 300 ms senden?

Mit den damals aktuellen µProzessor-Schaltkreisen erreichte man auf seriellen Ein- / Ausgabe-Kanälen (wie heute zB USB am PC) Übertragungsraten bis 550 kBit/sec. Um das zu verdeutlichen entspricht dies umgerechnet auf Zeichen ~50 kByte pro Sekunde. Hier:

50 kByte Zeichen × 0.3 Sekunden Sendezeit » 15 kByte » ~15000 Zeichen.

Das sind in Textform in A4-Normseiten (30 Zeilen je 60 Zeichen) ~8 A4-Seiten ! Das ist mE ziemlich satt und ist dabei sehr konservativ von mir gerechnet. Es gab auch deutlich schnellere IC-Familien gleicher Funktion als zugrundegelegt, so das da noch ein Faktor 10 nach oben drin ist


Danke. auf eine solche Erklärung hatte ich gehofft

na aber gern doch.

Grüße Frank

martin2
26.02.2018, 21:21
Da viele das andere Forum nicht lesen, dort aber ein damals direkt Beteiligter offen (und vmtl. zwei weitere ohne Outing) schreibt, fasse ich den dortigen Diskussionsstand zusammen und hoffe, dass beide Foren damit kein Problem haben.

Nochmals: Zusammenfassung eines Diskussionsstand, nicht mein Wissen
1. Sonde (älter) küstlicher Ast bei Bombodrom Belgern
2. bei Eberswalde
3. bei Krügersdorf
4. bei Irfersgrün

Angeblich in der Wendezeit vier weitere, ohne Ortsangabe.

Einer (er war wohl HV III) schreibt zu der Sonde in der Sendung sinngemäß: Marisat 1 ( Atlantik 15°W). Sendungen zwischen 1 und 2,5 Sec, PHDM (Phasen-Differenzmodulation) mit einem Phasenssprung von 135°, völlig unüblicher Phasensprung, vermutlich um Erkennung der Bit-Struktur des Signals zu verhindern bzw. zu erschweren.

Der Beteiligte (sagt, dass er auch nicht alles erfuhr) meint FLTSATCOM-3 beobachtet durch HV III.

(Vorschlag: Wer Fragen an die Beteiligten hat, meldet sich dort an und fragt direkt - das ist auch fair gegenüber dem anderen Forum. Ich vermittle KEINE Fragen/antworten.)

(Quelle (http://www.nva-forum.de/nva-board/index.php?showtopic=128&st=240))