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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 29.10-30.10.2016: Festungsfront Oder-Warthe-Bogen mit Norbert Lübke



Martin K.
22.09.2016, 07:29
Guten Morgen! Norbert bat mich folgende Tour einzustellen. Bei Interesse einfach an unten genannte Email wenden.

BG
Martin


Freunde des historischen Betons,
vom 29. bis 30. Oktober 2016 begeben wir uns auf eine Zeitreise der besonderen Art: Es geht zur Festungsfront Oder-Warthe-Bogen im Volksmund auch „Ostwall" genannt.
Hier ein kurzer Abriss zur Entstehungsgeschichte:
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurden die Grenzen des Deutschen Reiches verscho-ben und seine Streitkräfte gemäß dem Versailler Vertrag reduziert.
Das bewegte den deutschen Generalstab zu einer strategischen Analyse der Lage. Man zog die Folgerungen aus den Heerzügen zahlreicher Kriege und beschloss, die Übergänge über die Oder in Küstrin und Frankfurt zu verteidigen. Trotz Verbotes wurde schon 1920 begonnen fünf Forts zu modernisieren, die in Küstrin Eisenbahn-und Straßenübergänge sperren.
Die Arbeiten wurden eingestellt, weil die Interalliierte Militär-Kontrollkommission sie ent-deckte.
1925 wurde eine neue Entscheidung getroffen: Man beschloss, Befestigungen längs der Linie der Hügel und Bäche von Küstrin über Drossen und Reppen bis zur Oder bei Ziebingen anzulegen. Auch diese Arbeiten wurden nach der Entdeckung eingestellt.
Als 1928 die Erkundung der gesamten deutsch-polnischen Grenze abgeschlossen war, wurde der Schluss gezogen, dass für den Gegner kein weiterer Vormarsch nach Westen ohne die Einnahme des Lebuser Tores möglich wäre.
Das erkundete Gelände ist auf drei Seiten von Wasserläufen umgeben: Warthe und Netze bilden im Norden ein breites sumpfiges Tal. Auch die Oder im Süden und Westen fließt breit dahin und bildet Sümpfe. Die Gegend ist zu 50 % bewaldet. Die Flüsse Obra und Ober und eine Kette von Seen bilden im Osten einen doppelten Streifen natürlicher Hindernisse, der noch durch sandige Höhen - bis 180 Meter über dem Meeresspiegel - verstärkt wird.
Zunächst begannen die Arbeiten an einer Sperrlinie zwischen dem Obra-Abschnitt und dem Nischlitzsee und weiter bis zur Oder.
Im Jahre 1935, als man den Entschluss zu einem einheitlichen System der Ostbefestigungen gefasst hatte, wurde mit dem Bau großer "B-Werke" mit einer Wand-und Deckenstärke von 1,50 Meter Eisenbeton begonnen. Die Sperrlinie wurde zu einer Abwehrstellung ausgebaut. Ihr maßgeblicher Schöpfer war der Inspekteur der Pioniere und Festungen, Generalmajor Otto Förster. Die Konzeption der Festungsfront sollte zu einem so starken Ausbau führen, dass sie einem gegnerischen Angriff mit den stärksten Mitteln auf unbegrenzte Zeit widerstehen könnte.
Im Gegensatz zu den Franzosen wurde auf Waffen hinter Betonscharten mit nur schwachem Panzerschutz und auf versenkbare Drehtürme verzichtet. Das Hauptmerkmal, das die deutsche Festungsfront von der Maginot-Linie unterschied, war das Prinzip der optimalen Zerstreuung der Verteidigungsanlagen und die Errichtung einer lückenlosen Feuerfront zwischen ihnen. Die damit erreichte taktische Dichte der Bauten und der Feuermittel erlaubte es den Besatzungen praktisch ohne Unterstützung durch Feldtruppen erfolgreich zu kämpfen. Diesen Plan genehmigte Hitler nach seinem Besuch in Hochwalde im Oktober 1935.
Die Arbeiten an der Festungsfront kamen in den Jahren 1936/37 in Gang. Ihre Fertigstellung war für 1944 geplant, später wurde die Frist bis 1951 verlängert. Doch schon im April 1938 befahl Hitler, den Schwerpunkt der Befestigungsarbeiten an die deutsche Westgrenze zu verlegen.
Im Jahre 1939 erstreckte sich die Festungsfront Oder-Warthe-Bogen, einschließlich der unpassierbaren Überflutungsgebiete, über eine Breite von 80 Kilometer und war vollständig abwehrbereit. Sie umfasste 83 Panzerwerke und 14 MG-Schartenstände mit Pak-Garage.
Im Zentralabschnitt, der keine Wasserhindernisse aufweist und deswegen besonders stark ausgebaut wurde, sind auf 16 Kilometer Frontbreite 43 sogenannte Panzerwerke massiert. Mehrheitlich sind diese Bunker durch ein Holgangsystem verbunden. Von den geplanten 37 Kilometer Hohlgängen wurden 25 Kilometer realisiert. Das ist der größte Komplex unterir-discher Befestigungsanlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.
Während des Krieges wurde die Festungsfront teilweise zugunsten des Atlantikwalles desarmiert. In den unterirdischen Anlagen wurden Flugzeugmotoren hergestellt.
Vorbereitungen zur Wiederherstellung der Abwehrbereitschaft wurden 1944 getroffen.
Man erhoffte, dank der Festungsfront die gegnerische Offensive zum Stehen zu bringen.
Diese Hoffnungen zerschlug die 44. Panzerbrigade der Roten Armee. Sie erzielte in der Nacht zum 29. Januar 1945 bei Kalau und Hochwalde einen Durchbruch durch die nur schwach besetzte Festungsfront. Ehe die Hauptkräfte der Roten Armee herankamen, konnte in einem dramatischen Wettlauf mit der Zeit ein Teil der deutschen Truppen die Stellung verstärken.
Es entbrannte ein Kampf, der noch zwei Tage dauerte.
Damit wurde ein Überschreiten der Oder auf breiter Front verhindert und eine Verschiebung des Sturmes auf Berlin bis zum April 1945 erreicht.
Nach dem Krieg wurden die Bunker überwiegend gesprengt. Trotz alledem blieb der Torso der Festungsfront erhalten.
Zum Ablauf:
Tag 1:
Die Bereisung erfolgt mit eigenem PKW. Tiefer gelegte Modelle sind ungeeignet. Treff/Abfahrt ist am 29.10. um 08:00 Uhr von Bad Freienwalde bzw. 09:00 Uhr von Manschnow. Fahrgemeinschaften sind anzustreben. Der Anmarschweg geht über Küstrin in Richtung Skwierzyna über die Fernverkehrsstrasse 22/24. Erstes Besichtigungsobjekt ist das Panzerwerk/der Bunker (im weiteren PzW genannt) 875.
Vorbei am PzW 874 geht es zur Werkgruppe „Ludendorff", einem Besichtigungsschwerpunkt (beachte Nebenkarte; das Kartenmaterial mit der Routenplanung wird den Teilnehmern eingehändigt). Weiter nach Stary Dworek und von dort über Zemsko und Bledzew zum PzW 817. In Richtung Chycina folgt das PzW 814.
Dann in Richtung Ziemsko, zum PzW 805. Das Grundstück um dieses PzW ist Privatbesitz. Wir werden sehen, ob es eine Möglichkeit gibt hinein zu gelangen.
Irgendwo auf dieser Strecke - zur Mittagszeit - werden wir eine Verpflegungspause einlegen;
d.h. Marschproviant ist mitzuführen!
Wir verlassen den Nordabschnitt und begeben uns in den Bereich des Zentralabschnittes.
Abhängig von der Tageszeit steuern wir auf direktem Wege die Unterkunft im „Regenwurm-Lager" an, oder besichtigen noch PzW 761, die Werkgruppe „Schill", den „Hindenburg-Stand" 775 und eine Drehbrücke .
Den Zeitrahmen möchte ich so legen, dass wir bis spätestens 19:00 Uhr das Hotel (s. Buchung) erreichen.
Beim Abendessen werden wir beraten und bestimmen, ob wir Ziele, die aus Zeitgründen nicht aufgesucht wurden, am Folgetag besuchen (Rückwärtsgang) oder im Vorwärtsgang weitermachen.
Eine Bemerkung an dieser Stelle: Die Gesamtausdehnung der Festungsfront beträgt ca. 80 Kilometer. In dieser Fläche gibt es über 100 sehenswerte Objekte. Für jedes Objekt eine durchschnittliche Zeit (Anmarsch/Betrachtung) von 60 Minuten veranschlagt, reichen 7 Tage nicht aus; also gilt es Prioritäten zu setzen. Und damit zur Führung/zum Kostenpunkt: Das von mir verwendete Kartenmaterial ist frei erwerblich. Jeder kann nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum" selber losziehen - und aus 7 werden 70 Tage.
Tag 2:
Vom Hotel fahren wir nach Keszyca. Am Ortseingang biegen wir ab in nördlicher Richtung auf die authentische Kopfsteinpflasterstraße und fahren bis auf Höhe des PzW 739.
Es folgt ein Fußmarsch von ca. 15 Minuten. Zurück am Auto geht es weiter zum PzW 743. Nach dessen Besichtigung wenden wir. Wieder in Keszyca wird in der Ortsmitte auf einen Feldweg abgebogen, der die PzW 727 bis 719 tangiert. Zur Besichtigung ausgewählt habe ich PzW 726, 724, 722 und die Panzerbatterie 8. Weiter geht es zum Parkplatz am Museum in Pniewo. Ich bin lizensiert die untertägigen Führung zwischen PzW 717 und 716 durchzuführen (p.P. 25 PLN, ca. 3,- € Eintrittsgeld an das Museum).
Weiter mit dem Auto. Kurzer Zwischenstopp an den Scheinzielen. Dann steuern wir die einzige Zufahrt zum Hohlgangsystem an und anschließen werden die PzW 773 & 772 besichtigt, welche diese Zufahrt zu decken hatten. Im Bogen geht es zurück auf Wysoka, dabei kommen wir an das PzW 775. Südlich des Ortes, am kleinen Packlitzsee wird gehalten, um den Luftschutzbunker für das RAD-Lager zu besichtigen.
Weiter fahren wir in Richtung Burschen (Boryszyn). Kurz vor dem Ortseingang nehmen wir die Zufahrt zur Panzerbatterie 3, der sogenannten „Burschener Schleife". Nach einem oberirdischen Rundgang über das Terrain marschieren wir zum PzW 714. Danach setzen wir um zum PzW 778.
Abhängig von der Tageszeit, eurer Motivation & Kondition könnten wir noch weiter nach Süden vorstoßen - nach Staropole - und uns dort den Verladebahnhof, das PzW 780, das Kieswerk u.a.m. anschauen. Wenn nicht, beenden wir und fahren zurück.
Bezüglich Brotzeiten: Wir bekommen im Hotel ein reichhaltiges Frühstück und ich denke, wir dürfen auch Stullen mitnehmen. Am Museum gibt es auf alle Fälle die Möglichkeit einen Imbiss einzunehmen. Ansonsten sieht es mit Lokalitäten mager aus, aber in den Orten findet sich immer ein Lebensmittelgeschäft und die haben auch am Wochenende geöffnet.

Tag 3: (optional)
Ursprünglich vorgesehen war eine dreitägige Tour, aber aus organisatorischen Gründen auf Seiten der Initiatoren musste reduziert werden. Wer noch den 31.10. (Reformationstag) mit mir auf Tour gehen möchte, hier die Ziele.
Abhängig vom vortägigen Erkundungsstand könnte das Programm folgendermaßen aussehen:
Vom Hotel über Keszyca, Nietoperek, Kalawa, Wysoka und Boryszyn zum Bahnhof Starpel (Staropole) und weiter zum PzW 780. Dann, an der Kirche und dem Friedhof vorbei, zum PzW 782, weiter zum PzW 701 & 702 und zum Stauwerk 712. Ein kurzes Stück zurück und nach Osten zum PzW 706 am großen Packlitzsee - eine grandiose Kulisse!
Eine Bemerkung an dieser Stelle: Wir bewegen uns streckenweise auf Waldwegen. Zum Einen fordert das Mensch (Fahrer) und Material (Auto) einiges ab, zum Anderen ist die Forstaufsicht nicht zimperlich (letztlich habe ich 50 PLN Strafe bezahlt).
Und noch etwas: Auch ich fahre diese Routen nicht tag-täglich. Es kann also sein, dass ich mich mal „verfranse" oder Wege z.Z. für einen PKW nicht passierbar sind. Darum ist die Routenplanung ohne Gewähr.
Irren (meinerseits) ist menschlich, Verzeihen (eurerseits) göttlich! Danke!!! Reparationen schließe ich aus.
Zurück auf der Ortsverbindungsstraße nach Lubrza nehmen wir Kurs Richtung Schwiebus und biegen nach Wilkowo ab. Kurz vor dem Ortsausgang Wilkowo führt nach links eine Straße über Borow nach Olobok. Dort erwartet uns die Besichtigung des sogenannten „Wasserschlosses", des deckenden PzW 657 und der Kipprollbrücke 603B.
Damit ist Schluss mit lustig.
Es geht zurück nach Wilkowo. Der Fernverkehrsstraße 92 in Richtung Westen folgend gelangen wir nach Mostki. Am Ortsausgang liegt rechts der Straße das PzW 669 - unser letztes Besichtigungsziel.
Der „Rücksturz zur Erde" erfolgt über Torzym zur A 2. Diese Autobahn ist mautpflichtig. Bitte keinen falschen Geiz - auch wenn Geiz noch so geil ist: Die Weiterfahrt auf der 92 ist ätzend; außerdem „costa fast garnix". Frankfurt-Ost verlassen wir die BAB und fahren Landstraße zurück nach FRW, bzw. lösen die Marschkolonne auf.
Da ich nicht mit eigenem PKW fahre, müsste ich an diesem dritten Tag eine Mitfahrgelegenheit haben und die Gewähr, dass ich zurück gebracht werde nach FRW.
Was wird der Spaß kosten?
Ich erwarte pro Teilnehmer einen Tagessatz von 25,- €.
Hinzu kommen die Hotelkosten (Durchlaufposten) von ca. 28,- € p.P. für Ü/F.
Dazu schlage ich vor, dass ich die Bezahlung im Hotel, incl. persönlichen Verzehr, mit meiner Kreditkarte übernehme und ihr mir den jeweiligen Betrag in € zum offiziellen Wechselkurs zurückzahlt. Erfahrungsgemäß wird bei Bezahlung mit € ein Kurs von 1:3,5 veranschlagt, tatsächlich steht der Tageskurs über 1:4. So auch bei dem Eintrittsgeld in Pniewo.
Ich könnte zum günstigen Kurs in PLN wechseln und würde euch mit „Handgeld" ausstatten (um Bier nachzukaufen).
Wichtige Hinweise:
GültigesPersonaldokument, Reiseapotheke, Brille und leuchtstarke Taschenlampe nicht vergessen!
Feste Schuhe, strapazierbare Oberbekleidung mit reichlich Bewegungsfreiheit sind angesagt. Im Hohlgangsystem herrscht eine konstante Temperatur von 10° C.
Die Bunker sind überwiegend angesprengt, Armierungsstahl steht hervor. Ein Bauarbeiterhelm verhindert Narben, wie ich sie am Kopf habe !
Für das Einsteigen in das Maschinenhaus der Kipprollbrücke sind Gummistiefel erforderlich.
Als Ihr tour guide (neudeutsch) empfiehlt sich Heinz Norbert Lübke.
h.n.luebke@arcor.de
PS: Natürlich lässt sich die Teilnahme auch in Tagesscheiben auflösen. Dazu bitte angeben an welchem Tag(en), mit Ü im EZ oder DZ.
Treff/Abfahrt an den Folgetagen ist jeweils 08:00 Uhr Hotel „Kescyza Lesna“.