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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lokale Geschichtsforschung, Provinz Pommern



jollentreiber
11.05.2016, 12:28
Bunker ist „out“, lokale Geschichte, verarmter Landadel und örtliche Soldatenschicksale sind „in“.

Sommersdorf, Grünz und Radewitz...eine Region im Randowbruch an der polnischen Grenze ist der Bereich um den es hier in diesem Thread hauptsächlich gehen soll.

https://www.google.com/maps/@53.2894115,14.1575047,2987m/data=!3m1!1e3

Ich möchte hier versuchen dem jungen Historiker Max aus Sommersdorf die Möglichkeit zu geben mit der Hilfe unseres Forum´s weiteres Material für das Ortsarchiv zusammen zu tragen.


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Ich konnte ihn bei meiner ersten Begegnung als geschichtlich aufgeschlossenen jungen Menschen kennenlernen dem vor allem die Weiterführung und geschichtliche Ausarbeitung des örtlichen Dorfmuseums und der unmittelbaren Region am Herzen liegt.
Diese Einstellung ist ja bei jungen Menschen heute nicht mehr oft zu finden und sollte deshalb von uns als Geschichtsforum voll unterstützt werden.

Ok, was können wir bei HP denn nun direkt beitragen?
Die Namen der damaligen Bauern, Landarbeiter, Knechte usw. werden für uns nicht so im Mittelpunkt stehen.

Was wir aber beisteuern können sind z.B. Daten und Fakten.

Zum Beispiel zu Kriegsgefangenen die in Sommersdorf bei den Landwirten arbeiten mussten.
Einer dieser KG war der Franzose Pierre Fleurentdidier, der am 08. August 1940 nach Sommersdorf kam. Ein Tagebuch von ihm soll im evangelischem Kirchamt in Penkun existieren. Anfrage im Pfarramt läuft bereits.
Ist bekannt ob es in dieser Region ein KG-Lager gab?

Der nächste Punkt zur Forschung in dieser Region wäre die ehemalige NS-Reichssegelflugschule Grünz-Wartin.

Zitat:

Zu den Reichssegelflugschulen schrieb der Chef des Führungsamtes des NS-Fliegerkorps Arno Kehrberg 1942: „Der fliegerische Nachwuchs, der so aus den Ausbildungsbetrieben dieser Segelflugübungsstellen heranwächst, wird, soweit er sich fliegerisch bewährt hat, als Auslese auf die Reichssegelflugschulen geschickt, die ebenfalls überall im Reiche errichtet sind.
Quelle:https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistisches_Fliegerkorps

Mein Opa berichtete mir damals ab und an mal von dieser. Lokalisieren würde ich seine Aussagen dazu auch zu den Hängen des Randowtales zwischen Grünz und Radewitz. Alte Fundamente der Segelfliegerhangars sollen wohl noch lange nach 1970 zu erkennen gewesen sein.
Einem anderen Bericht zu Folge soll diese Flugschule zumindest bis noch 1954 weiter genutzt worden sein.

http://www.hansa-burmeister.de/FlyGST.htm

Weiterhin geht es um die Stellungs- und Rückzugsgefechte zum Ende des Krieges in dieser Region. Soldatengräber auf dem Sommersdorfer Friedhof zeugen davon.


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Ein weiterer Punkt (der betrifft mich auch priv. ein wenig) ist die Geschichte der Familie derer „von Ziethen“. Hier geht es um den Ableger des roten Stammes, dem „Haus Radewitz“.


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> Hans Karl Ludwig von Ziethen (1808-1866) wurde am 22.02.1838 von König Friedrich Wilhelm III unter dem Namen „von Ziethen“ in den preußischen Adelsstand erhoben und gründete das „Haus Radewitz“. Der Gutsbesitz erstreckte sich damals über die Ländereien von Sommersdorf, Radewitz und Grünz <

Das nun langsam verfallende Gutshaus derer von Ziethen zeugt von einem gewissen Wohlstand zu damaliger Zeit. Leider aber fehlen mir zu der Zeit des Bestehens des „Haus Radewitz“ bis 1945 noch einiges an Informationen.
Zu meinem momentanen Wissensstand, z.B. den Nachfahren, der von den Russen geplünderten Gruft usw. später hier dann mehr.

Soweit erst einmal zur Eröffnung dieses Themas hier bei HP. Ich habe eben grad einem Anruf aus dem Pfarramt Penkun bekommen...es liegen wohl erste Unterlagen zum Tagebuch des KG Pierre Fleurentdidier dort bereit.

Ich würde mich also freuen wenn wir Max bei seiner Arbeit, mit den Mitteln und Möglichkeiten die jeder von uns hat, unterstützen könnten.
Dem kleinen Dorfmuseum in der örtlichen Kirche und vor allem der Nachwelt könnten wir so einen großen Beitrag leisten.

Danke und Gruß
Lutz

Manganer
11.05.2016, 18:00
Ein großartiger Beitrag und interessantes Projekt. Solange es junge Menschen gibt, die ihr Herzblut der Geschichte ihrer Region schenken, ist Deutschland noch nicht verloren. Ich, als Thüringer habe natürlich nur beschränkte Möglichkeiten zu helfen, da zu weit weg. Aber durch die moderne Zeit kann man auch viel am Rechner erreichen. Sofort helfen könnte ich mit den alten Messtischblättern des Gebietes (Redaktionsschluß 1936)...
Quelle: Courtesy Harold B. Lee Library, Brigham Young University

Sven K.
15.05.2016, 21:07
Schau mal hier wegen der Kriegsgefangenenlager: http://www.moosburg.org/info/stalag/laglist.html#wkiii

Gruß Sven!

Sommersdorfer_Museum
18.08.2016, 14:20
Guten Tag.
Ich bin der oben erwähnte Max. In letzter Zeit ist mir das Thema leider untergegangen, weil die Schule in dieser Zeit leider noch Vorrang hat. Aber von Zeit zu Zeit kann ich mich immer mal wieder ein wenig mit diesem Thema beschäftigen.
Nun zu der Familie von Ziethen. In der Kirche von Sommersdorf gibt es am Ostgiebel eine alte Grabkammer bzw. eine Art Mausoleum. Dort wurden die Leichen der Familie von Ziethen aufgebahrt. Um welche Familienmitglieder es sich genau handelte ist mir leider unbekannt. Als 1945 die rote Armee in den letzten Kriegstagen
in Sommersdorf angekommen ist, wurde leider auch im dem Zuge Grabschändung durch die Russen verübt. Der bis dahin versiegelte Ostgiebel wurde aufgebrochen und die Leichen wurden geschändet, die Goldzähne ausgebrochen und alles wurde verwüstet zurückgelassen. Einige Tage später haben die Sommersdorfer die Leichen in einem Eiskeller der sich an der Kirchhofsmauer befunden hat vergraben. Leider ist der Keller damals sehr schnell verfallen und heute existiert er nicht mehr. Ich hatte mit Lutz gerätselt ob der Ostgiebel, bevor er als Grabkammer genutzt wurde, einen Eingang innerhalb der Kirche hatte. Die Wand wies solche Merkmale durchaus auf.
Nun noch ein bisschen zum Kirchturmmuseum. In den 90ern wurde der Kirchturm in Sommersdorf erneuert und in diesem Zuge setzte sich der damalige Pfarrer aus Sommersdorf dafür ein, dass der Kirchturm begehbar bleibt und das man dort ein Museum einrichten kann. Über die Jahre hat er eine beeindruckende Sammlung zusammengetragen die bis heute existiert. Vor 3 Jahren hab ich angefangen mich um das Museum zu kümmern und es Schrittweise zu aktualisieren. Ich bin schon lange auf der Suche nach neuen Exponaten, wurde leider aber in dieser Region nur selten fündig, weil die Menschen oft ihre Liebgewonnenen Sachen nicht weggeben wollen. Das kann ich auch verstehen.

Gruß Max