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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Reisebericht: Berlin > Schweinfurt > Plateau de Albion > Marseille > Mutzig > Berlin



Martin K.
29.02.2016, 11:16
Liebe Freunde der Zeitgeschichte,

im Februar 2016 stand eine Exkursion verschiedener Ziele in Südfrankreich auf dem Plan. Um die Fahrzeit von knapp 15 Stunden etwas entspannter zu gestalten, wurden auf der An- und Abreise weitere interessante Ziele eingebaut. Am Mittwoch startete die Reisegesellschaft nach Feierabend ab Berlin in Richtung Schweinfurt. Nachfolgend findet ihr einige Impressionen der nun folgenden Tage.

Tag 1 / Donnerstag:

In Schweinfurt wurden mehrere bauliche Hinterlassenschaften der amerikanischen Streitkräfte sowie Bunkeranlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges besichtigt.

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Bildserie 1 und 2: Liegenschaften der Amerikaner und Hochbunker

Ein erstes Hightlight der Fahrt stellte der sogenannte Fichtel- und Sachsbunker dar. Der 6-etagige Bunker wurde 1941 als Schutzbauwerk für die umliegenden Bevölkerung errichtet. Die Nähe zu den nahegelegenen Fichtel- und Sachswerken brachte ihm diesen Namen ein. Der Eigentümer Nils Brennecke führte uns durch das interessante Bauwerk, welches in den 1980iger Jahren zu einer modernen Zivilschutzanlage umgebaut wurde. Heute werden Bereiche als Bunkermuseum genutzt, andere Ebenen stehen leer. Zukünftig soll auf dem Bunker ein Wohnhaus errichtet werden.

http://www.fichtelundsachsbunker.de/
https://www.facebook.com/BunkerSchweinfurt

Führungen finden auf Anfrage statt (Kontaktinformationen siehe Website).

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Bildserie 3: Fichtel- und Sachsbunker

Nach der Besichtigung führte uns der Weg immer weiter südlich, schließlich wollten wir am Abend noch die Mittelmeerregion erreichen. In der südwestlichsten Ecke Deutschlands wurde eine Exkursion des Isteiner Klotzes eingelegt. Ein kilometer langes Hohlgangsystem und zahlreiche Kampf- und Beobachtungsstellungen wurden im Rahmen der Befestigung der westlichen Grenze in den 1930iger Jahren errichtet. Als Teil des propagierten Westwalls stellte dieser Komplex einen der wichtigsten befestigten Abschnitte dar. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Anlage umfangreich gesprengt. Doch hier und da sind noch Spuren des Systems zu entdecken.

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Bildserie 4: Isteiner Klotz

Anschließend führte uns der Weg direkt an den Rhein. In der Nähe des Stauwehrs Märkt (Erbaut: 1928-1932) befindet sich ein Maschinengewehr-Doppelschartenstand in der Sonderbauweise für den Oberrhein (Limes-Regelbau 24, Bauwerk 5887). Bei einem Luftangriff der Alliierten wurde das Wehr im Oktober 1944 beschädigt.

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Bildserie 5: Stauwerk Märkt

Nachdem zahlreiche Eindrücke gesammelt waren, ging es nun ohne weitere Zwischenstops nach Südfrankreich.

Fortsetzung folgt...

Martin K.
07.03.2016, 12:11
Und weiter gehts...

Tag 2 / Freitag:

Die Fahrt nach Südfrankreich gestaltete sich sorgenfrei. Ein Temperaturunterschied von 10° machte sich bemerkbar, doch nachdem das nächste Hightlight der Tour das Plateau de Albion anstand, sanken die Temperaturen in die hohen Lagen auch wieder. Auf dem Pleatau wurden ab den 1970iger Jahren schachtbasierte Mittelstreckenraketen der franz. Streitkräfte stationiert. Dazu wurden in 18 Schächte nukleare Raketen installiert. Jeweils 9 Schächte wurden aus einem Kommando- und Kontrollbunker befehligt. Diese Kommandobunker wurden tief im Bergmassiv errichtet. Das Herzstück in beiden Zentralen waren die sogenannten Kapsels. Auf einer Länge von 20m und einem Durchmesser von 8 Metern beinhaltete ein freischwingender Container die Abschussvorrichtungen der Rakete. Zwei Abschussoffiziere saßen rund um die in diesen Container und wartet auf einen vermeintlichen Befehl des Staatspräsidenten. Doch dazu sollte es zum Glück nie kommen.

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Bildserie 1: PCT-1 Innen und Außen


https://www.youtube.com/watch?v=9hXliUsZOg4
Video: Ausschnitte aus der Anlage


Einmal im Jahr kann ein kleiner Teil der Anlage zum Tag des offenen Denkmals in September besichtigt werden.

Nachdem wir den imposanten Komplex mit einem ehemaligen Offizier der französischen Streitkräfte besichtigten, schauten wir uns weitere Bauwerksteile des Systems an.

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Bildserie 2: Antennensystem und Schachtdeckel

Da für Samstag dann unschönes Wetter angesagt war, wurde das Programm kurzerhand umgeplant und die Frioulinseln vor Marseille angesteuert.

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Bildserie 3: Hafenausfahrt Marseille und eine der Frioulinseln

Die Inseln wurden schon seit Jahrhunderten militärisch ausgebaut und befestigt. Während des Zweiten Weltkriegs entstanden für die deutschen Besatzer Regelbauten im Rahmen der Befestigung der Mittelmeerabschnittes (sogeannter Südwall). Neben den fertigen Bauten war der Rohbau einer Geschützbatterie interessant anzusehen, da die Bauweise von Stellung zu Stellung nachvollzogen werden konnte.

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Bildserie 4: Festungs- und Bunkerbauten auf den Frioulinseln

Abends wurde dann noch ein Restaurant am Alten Hafen angesteuert und über das Gesehene des Tages gefachsimpelt.

Fortsetzung folgt...

Martin K.
09.03.2016, 10:49
Tag 3 / Sonnabend:

Das angekündigte Unwetter machte sich zum Glück nicht so stark bemerkbar. Samstag wurden deshalb Ziele in der Innenstadt Marseilles besichtigt. Neben der Marien-Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Garde auch die Überreste – genauer den Rohbau – des deutschen U-Bootbunker Martha. Wie der Zufall es wollte, war glücklicherweise auch ein Blick in das Innere des Bauwerkes möglich. Vom Bunker wurde nur der mehr als 200m lange rückwärtige Teil (Werkstatt) fertig gestellt. Heute teils Bürotrakt des Hafenverwaltung, Lagerbereich und Schießstand der franz. Polizei.

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Bildserie 1: Wallfahrtskirche und Stadtansichten

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Bildserie 2: UBB Martha

Nachdem die Ziele in Marseille besucht waren, ging es wieder in Richtung Norden. In der zweiten Tageshälfte stand nochmal das Plateau de Albion auf dem Plan. Nun wurden die Bauten (u.a. Eingangsbauwerk, Notausgang, Lüftungszugang) des zweiten Silokomplexes besichtigt. Glücklicherweise waren die Mieter des zweiten Start- und Kontrollbunkersystems zugegen und ermöglichten so einen kurzen Blick in das dortige System. Nun galt es aber langsam den Rückweg anzutreten. Schließlich lagen noch mehr als 1000km Fahrstrecke vor uns. Da sich alle Teilnehmer an den Zeitplan hielten konnten wir die geplante Hotelübernachtung weiter in Richtung Heimat verlegen und so etwas Luft für den Sonntag gewinnen.

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Bildserie 3: PCT-2

Martin K.
06.04.2016, 12:42
Und keiner merkte das noch ein Tagesbericht fehlte *gg*.

Tag 4 / Sonntag:

Am Vormittag des letzten Tages der Reise führte uns die Reise zur Feste Kaiser Wilhelm II. Die Feste ist mit einer bebauten Fläche von 245 Hektar eines der größten auseinander gezogenen Festungswerke des 19. Jahrhunderts. Aktuell können nur knapp 10 % Prozent der Gesamtanlage besichtigt werden. Die übrigen Bauten befinden sich noch immer in militärischer Nutzung bzw. befinden sich auf militärischen Gelände.

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Bildserie 1: Feste Kaiser Wilhelm

Nach der Feste führte uns der Weg nach Neuried in den Westwallmuseumsbunker Emilie sowie nach Ettlingen zu den Marinebunkern. Diese wurde Ende der 1930iger Jahren errichtet.

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Bildserie 2: Bunker Emilie

Nach einen kurzen Stop der Marinebatterien des Westwalls im Hardtwald bei Kassel und dem Technikmuseun in Sinsheim ging es dann weiter zurück nach Berlin.

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Bildserie 3: Marinebunker bei Kassel

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Bildserie 4: Museum Sinsheim

Eine Tour mit zahlreichen erstklassigen Objekten.

Gesamtkilometer: 3470km
Dauer: 4 Tage

BG
Martin

PolleBLN
06.04.2016, 19:53
Aaaahhhhh.
Hab mich schon gewundert.
Auf die Bilder der Feste hab ich schon gewartet. N schönes Teil.

Bei Fehlern und sinnfreien Worten ist die Autokorrektur zur Verantwortung zu ziehen. grmpf

jollentreiber
06.04.2016, 20:50
Neben den fertigen Bauten war der Rohbau einer Geschützbatterie interessant anzusehen, da die Bauweise von Stellung zu Stellung nachvollzogen werden konnte.[/FONT][/COLOR]

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Bei den vorherigen Bildern wäre ich nicht davon ausgegangen das die Pfeiler eine dermaßen Höhe haben.
Technisch (und auch optisch) schöne Bilder.

Danke für´s zeigen.
Lutz